Von Katzen verdauter Kaffee und Captain Hook

Die letzten zwei Tage gehörten wohl zu den ereignisreichsten unserer bisherigen Reise und wir mussten heute erstmal einen Nachmittag im Hostelzimmer einlegen, um diese vielen Bilder und Geschichten zu verarbeiten.

Fangen wir doch einfach Freitag früh an: Wir verlassen die schöne Insel Don Det im Mekong und zum Abschied schenkt uns unsere „Mama“ vom Guesthouse ein orange-weißes Armbändchen, welches sie uns mit einem buddhistischen Segensspruch um den Arm bindet. Alles Gute für unsere Weiterfahrt! Wir sind gerührt von dieser lieben, religiösen Geste und sind gespannt auf die Fährfahrt, die auf dem Hinweg wirklich sehr abenteuerlich war. Was soll ich sagen: es lief alles super und wir hatten eine recht stabil aussehende Fähre und mussten auch nicht auf dem Wasser umsteigen.

Fröhlich fahren wir also wieder zurück in Richtung Norden, da hier im Süden Kambodscha angrenzt und wir jedoch nach Thailand weiterreisen möchten. Von Pakse aus fahren wir noch auf einen Abstecher in Richtung Osten. Wir möchten das Bolaven Plateau besuchen. Eine auf 1.200 Metern gelegene Hochebene, in der vor allem Kaffee und Tee angebaut wird und es viele schöne Wasserfälle zu bestaunen gibt.

Wunderschöne Wasserfälle auf dem Bolaven Plateau
Kaffee
Es gibt hier viele Weihnachtssterne

Wir halten an einem handgemalten Schild „Coffee Tea“ und fühlen uns sofort wohl. Der Eigentümer einer kleinen Kaffee- und Teefarm wirft eine Tischdecke auf den Tisch und schenkt uns sofort Tee ein, den es hier kostenlos und sehr lecker zu trinken gibt. Wir bestellen jeder einen frisch gemahlenen und aufgebrühten Kaffee, der wirklich vorzüglich schmeckt. Auf der handgeschriebenen Preistafel finde ich „Kopi Luwak“ und lasse mir erklären was es ist. Tatsächlich ist das dieser super teure Kaffee, der von einer Schleichkatze zunächst verdaut wird und danach geröstet und gemahlen. Erinnert ihr euch an den Film: „Das Beste kommt zum Schluss?“ Da trinkt Jack Nichelson den auch immer!  Ich frage also nach der Katze und tatsächlich hat unser Kaffeebauer sechs davon, die wir auch ansehen dürfen. Er führt uns hinter sein Haus, wo er die Katzen in Käfigen hält und so sehen wir auch Teile von seiner Kaffeefarm.

Hier halten wir an
Civet Cat frisst Kaffebohnen
Handgemachter Kaffee von unserem Kaffeebauern

Jetzt MÜSSEN wir natürlich einen Kopi Luwak bestellen – auch wenn eine Tasse davon fast 10 Euro kostet. Aber das hat sich sowas von gelohnt! Denn wir sind bei dem gesamten Prozess dabei. Zunächst wird die Katzensch….   getrocknet, dann gesiebt, gestampft, die Bohnen aussortiert, geröstet, gemahlen und aufgebrüht. Wir helfen überall mit, stellen viele Fragen und sind uns sicher: dieser ganze Vorgang ist das Geld wert! Und weil wir so lieb mitgeholfen haben, bekommen wir auch zwei Tassen für unsere 10 Euro (also fast europäische Kaffeepreise😊).

Gemeinsam erarbeiten wir uns den Kopi Luwak

Ob der „Katzen Kaffee“ nun wirklich so einen vorzüglichen Geschmack hat, überlassen wir einfach mal den Profis wie Jack Nicholsen. Uns hat er auf jeden Fall super geschmeckt – was aber sicherlich auch an dem tollen Erlebnis liegt. Nach über zwei Stunden verabschieden wir uns von unserem Kaffeebauern und seiner Familie und nehmen uns noch eine Packung Tee für 1 Euro mit. Wer kennt schon seinen Teebauern persönlich?  Am Abend möchten wir dann unbedingt noch zur Krönung des Tages den Film „Das Beste kommt zum Schluß“ sehen und suchen uns dafür einen sehr schönen Bungalow am Tad E Tu Wasserfall. Was hab‘ ich wieder geheult…. Der Film ist zu schön! Und dieser Gedanke mit der „Löffelliste“ immer wieder lustig. Was steht eigentlich auf eurer Löffelliste? (Was wollt ihr noch machen bevor ihr den Löffel abgebt?)

Hier schauen wir mal einen Film mit Hilfe vom VPN von Oli! Bungalow mit Frühstück kostet 25 Euro.

Am nächsten Morgen finde ich auf booking.com ein Homestay in der Gegend. Ich lese die Bewertungen und sehe, dass es sich um eine Familie handelt, die auch Kaffee anbaut. Als Gast kann man mit der Familie zusammen essen und gemeinsame Zeit verbringen – das klingt spannend.

Was wir dann jedoch erleben, hätten wir wirklich nicht erwartet! Das Haus von Captain Hook in Muang Thateng steht in einem kleinen Dorf mit etwa 600 Einwohnern, die zu dem Volksstamm der Katu gehören. Die Katu sind eine der über 100 ethnischen Gruppen in Laos; mit einer eigenen Sprache und einem anderen Glauben.  Hier ist der animistische Glaube tief verwurzelt. Noch heute wird der Alltag vom starken Glauben an gute und böse Geister bestimmt.

Ein Teil der Famile von Huk bestaunt Daffy
….die anderen begutachten skeptisch Daky
Kinder spielen im Dorf (vor den typischen Stelzenhäusern)
Der Dorfplatz am Abend – alle spielen

Huk (wie Captain Hook eigentlich heißt) führt uns durch seine Kaffeefarm, durch den angrenzenden Wald und durch sein Dorf und erzählt uns dabei wirklich Unglaubliches. Wir sind manchmal nicht ganz sicher, ob wir wirklich alles glauben sollen – manches sehen wir jedoch mit eigenen Augen.

Zunächst bittet er uns keine Fotos von den älteren Menschen zu machen – sie glauben das ein Stück ihrer Seele genommen wird bei einem Bild. Ausserdem sollten wir auf keinen Fall den Kindern Wasser oder Süßigkeiten geben; falls eines der Kinder irgendwann erkranken oder gar sterben sollte, wird es dann immer auf unsere Gabe zurückgeführt.

Er erklärt uns sehr viel über Kaffee und zeigt uns neben seinen Kaffeepflanzen noch viele andere Pflanzen, die hier als Medizin benutzt werden. Es gibt im Dorf einen Schamanen, einen Guru und ein Medium – erst wenn die alle nicht helfen können, besuchen die Dorfbewohner auch mal einen Arzt.

Wir essen rote Ameisen (auch Barbara, die wirklich schlechte Gefühle bei Ameisen hat), knabbern an verschiedenen Wurzeln und beißen in viele Blätter. Was jetzt davon gegen Durchfall, Kopfschmerzen, Bisswunden oder Frauenleiden hilft, konnte ich mir leider nicht genau merken.

Die schmecken wie Limone

Was Huk uns sonst noch erzählt: Die Alten glauben immer noch dass die Welt eine Scheibe sei, wir so lange Nasen haben, weil wir soviel Baguette essen ( französisches Protektorat lässt grüßen), sie mögen keine Weißen wegen des Vietnamkrieges und dann erklärt er uns so manches über das Leben im Dorf. Als Mann ist es üblich mehrere Frauen zu haben und vor noch nicht so langer Zeit waren diese bei ihrer Hochzeit teilweise auch noch extrem jung (14 Jahre). In jedem Haus im Dorf leben zwischen 30 – 60 Personen. Wir waren im Haus von Huk und es besteht aus einem großen Raum mit Matten in einer Ecke und einem Raum mit 3 Kochstellen (offenes Feuer). Es leben echt viele Menschen in seinem Haus, außerdem laufen noch einige Hunde und manchmal Hühner durch die Räume.

Die Frauen gehen zum Gebären in den Wald allein oder zu zweit mit einer Hebamme. Die Namen werden den Kindern erst gegeben, wenn die Mutter in der nächsten Vollmondnacht einen guten Traum hat, den der Guru dann deutet. Manche Kinder werden 2 – 3 Jahre alt bevor sie einen Namen erhalten.

Kinder beginnen im Alter von etwa drei Jahren mit dem Rauchen der Bambuswasserpfeife. Dafür gibt es 2 Gründe: der Rauch hält die Moskitos fern und außerdem mögen die bösen Geister niemanden, der Rauch ausatmet! Tatsächlich rauchen alle Dorfbewohner sehr viel und wir sind uns nicht ganz sicher ob es sich immer nur um Tabak handelt.

Beim Kaffeerösten eine Pfeife
Die Kinder fangen sehr früh an zu Rauchen

Huk erzählt uns von den unterschiedlichen Friedhöfen im Wald, wo die Menschen je nach Todesursache und Geschlecht beerdigt werden. Wenn ein Familienmitglied durch einen Unfall verstirbt, sind in der Familie böse Geister und die gesamte Famile wird für 5 Jahre aus dem Dorf verstoßen und lebt solange im Wald. Wir kommen vorbei am heiligen Wald, der nur von Männern betreten werden darf und in dem regelmäßig Opfer für die Geister gebracht werden.

Wir können gar nicht glauben, dass wir noch immer in Laos sind – vieles von dem Gehörten und Erlebten ist sehr weit weg vom Leben der buddhistischen Mehrheit hier im Land. In Laos haben jedoch viele verschiedene ethnische Gruppen eine Heimat gefunden – so auch die aus Indien stammenden Katu.

Nach der ausführlichen Führung fahren wir mit Daffy & Daky zum dem etwa 1 km entfernten Guesthouse auf einem echt schlammig, lehmigen Pfad. Das Haus ist eine schlichte Bretterbude allein im Dschungel, mit einem tollen Ausblick auf Bananenstauden, Kaffeepflanzen und ins nächste Tal. So etwas lieben wir!

Hier schlafen wir im „Guesthouse“ von Captain Hook
Der Blick aus unserer Behausung
Die Reifen sind total verschlammt nach dem Pfad

Zum Abendessen sind wir wieder zurück im Haus von Huk und essen gemeinsam mit ihm, seiner Frau, einem Bruder und 2 Cousins. Die anderen etwa 25 Bewohner des Hauses schauen Fernsehen oder spielen im Raum. Die Hunde schleichen um uns herum und jeder Knochen wird einfach hinter uns gelegt (wir sitzen eh schon auf dem Boden) damit auch die Hunde satt werden. Das Essen ist köstlich. Es gibt Sticky Rice, Hühnersuppe, Kürbisbrei, gestampfte Aubergine und Bambusspalten. Die Schüsseln stehen in der Mitte und jeder bedient sich mit den Fingern. Als wir dann mit dem Abendessen fertig sind, kommt der Höhepunkt des Tages!!! Wir gehen jagen! Wir haben keine Ahnung was wir jagen werden, aber natürlich gehen wir mit als Huk uns fragt. Und dann laufen wir zu fünft bei totaler Finsternis durch den Dschungel, bewaffnet mit Stirnlampen – sonst mit nix. Und was „jagen“ wir? Insekten aller Art, Frösche und Geckos. Huk warnt uns vor Schlangen, die es hier auch gibt, aber wir finden nur kleines Getier. Die Männer sind sehr geschickt im Fangen von Heuschrecken, Fröschen und ähnlichem und erzählen uns, dass sie das bereits als Kinder lernen.

Unser Gejagtes wird gewaschen und teilweise Darm und Magen entfernt
Ein Feuer wird vor unserem Zimmer gemacht für den Nachtsnack

Alles zusammen werfen wir dann mit ein paar Chilischoten und Zitronengrasstängeln in einen Topf und alle Tiere, die da nicht rausspringen können, werden nach einer kurzen Garzeit von uns gegessen. Was soll ich euch sagen: Außer dem Gecko hab ich echt alles probiert, Frosch, Grille, Heuschrecke. Robert hat auch ein Hinterbeinchen vom Gecko genossen….

Dieser Block ist irgendwie etwas länger geworden als sonst – aber es tut mir gut alles aufzuschreiben. Von vielem gibt es keine Fotos, weil ich auf keinen Fall die bösen Geister ärgern wollte….. Es war wirklich eine extreme Erfahrung bei Huk und in seinem Dorf zu sein. Die Bilder werden noch sehr lange in unseren Köpfen bleiben. Wenn ihr noch mehr sehen wollt, dann schaut euch einfach nochmal diesen Youtubefim an: Laos Katu Tribe. Wir haben zwei Tage einen Volksstamm erleben dürfen, der noch sehr nah an der Natur lebt und bei dem vieles vom Glauben an die bösen und guten Geister bestimmt wird.

ride2seetheworld   

4 comments

  1. Wow Barbara. Das sind ja wirklich tolle Erlebnisse. Das klinkt nach Szenen aus einem Dokumentarfilm

    1. Ja – es fühlte sich auch manchmal nach einem Film an.

  2. Auf meiner Löffel-Liste: Euch irgendwann mal wiedersehen und den vielen tollen Geschichten zuhören, die Ihr aus der ganzen Welt mitbringt! Freue mich! Liebe Grüße vom Martin!

    1. Hallo Martin, wir planen gerade unseren Heimaturlaub!!! Sobald der Termin feststeht, melden wir uns bei euch. Wir helfen gern beim Löffel-Liste abarbeiten 😘

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