Die Einreise nach Thailand macht uns Sorgen

Unser Plan ist es, am nächsten Tag von Laos nach Thailand weiterzureisen. Die Nacht verbringen wir in einem Hostel in Pakse und sitzen am Abend im Pakse Hotel auf der Dachterrasse und genießen den Sonnenuntergang, ein paar Beerlao und ein leckeres Padthai.(ein thailändischen Gericht zur Einstimmung :-)) Von einigen Reisenden hatten wir gehört, dass die Bestimmungen zur Einreise nach Thailand mit einem ausländischen Fahrzeug seit dem 01. November 2019 wieder verschärft wurden. Ein anderer deutscher Motorradreisender ist in den letzten Tagen erst beim dritten Grenzübergang von Malaysia aus nach Thailand reingelassen worden und einige sind tatsächlich garnicht ins Land gekommen! Diese aktuellen Informationen lassen Barbara in der Nacht sehr schlecht schlafen. Wenn uns kleine oder große Sorgen unterwegs in die Quere kommen, versuchen wir damit immer gelassen umzugehen. Meistens funktioniert das gut, aber in der Nacht vor der geplanten Einreise nach Thailand eben nicht. Wenn wir von Laos aus nicht nach Thailand einreisen können, befinden wir uns in einer Sackgasse!! Nach Vietnam dürfen wir aufgrund der Größe unserer Motorräder nicht einreisen, nach China geht es nur mit Guide (und das ist teuer) und das einzige andere an Laos angrenzende Land ist noch Kambodscha und von da aus kommt man ja auch nur über Thailand weiter…. Es wäre also wirklich ein größeres Problem, wenn die Thailänder mit ihren verrückten Einreisebestimmungen uns jetzt nicht reinlassen würden. Dafür hätten wir keinen Plan B! Sorgen breiten sich aus…. 

ABER – es hilft echt nicht weiter sich Sorgen zu machen!  Einfach probieren und gelassen bleiben! Wir fahren also an die Grenze. Als erstes möchte uns die laotische Zollkontrolle „ausstempeln“ und dann ist da noch das Gebäude vom laotischen Immigration Office. Beiden erklären wir, dass wir zunächst nicht aus Laos ausreisen möchten, da noch nicht sicher ist, ob wir in Thailand einreisen dürfen. Erstaunlicherweise funktioniert dieses Vorgehen ganz problemlos. Danke Tino für den Tipp! Wir fahren also bis auf das thailändische Gebiet und dann laufe ich einfach an allen Kontrollen mit der Begründung vorbei, dass ich als erstes zum thailändischen Zoll muss und dann wiederkommen würde. Alle sind freundlich und lassen mich vorbei. Der Zöllner in seinem Häuschen ist offensichtlich verwundert über meine Frage: „Dürfen wir mit zwei in Deutschland zugelassenen Motorrädern einreisen?“ Na klar! Wir brauchen nur noch jeweils eine Kopie von unserem Carnet de Passage (Zollpapiere für das Motorrad) und von unserem Reisepass und dann dürfen wir durch! Juchheee!!! Offensichtlich haben wir den richtigen Grenzübergang erwischt. Hier werden ausländische Fahrzeuge problemlos ins Land gelassen.

Also zurück zum laotischen Zoll um ordnungsgemäß auszureisen.

Ich: Guten Tag, wir wollen jetzt ausreisen

Zöllner: STOPP!!! Sie kommen hier nicht raus!

Ich: Sorry, Sir ????? (gedacht: Ich glaub ich hab‘ mich verhört – der spinnt doch!)

Zöllner: Sie haben bei der Einreise einen anderen Grenzübergang angegeben, aus dem sie ausreisen möchten! Hier dürfen Sie heute nicht ausreisen!

Ich: (gedacht: Keine Ahnung was wir angegeben haben, jetzt sind wir hier und möchten heute gern Laos verlassen.) gesagt: Wir lieben Laos und haben uns jederzeit sehr gut hier gefühlt, aber jetzt kommt unsere Tochter in Bangkok zu Besuch und wir müssen deshalb nach Thailand. – HEUTE!

Zöllner fragt seinen ranghöheren Kollegen und nickt….. Okay GO!

PUH!!!!!

Also nur noch den laotischen Ausreisestempel für unsere Pässe holen und danach die Einreise nach Thailand. Die thailändischen Grenzer und Zöllner sind super freundlich, es gibt keinerlei Probleme und als Willkommensgruß erhält jeder von uns eine Flasche Wasser mit den Worten: Welcome to Thailand!

Einreise nach Thailand – so einfach, so unkompliziert und auch noch ausgesprochen freundlich (was nicht alle Grenzer auf der Welt sind)!

Ich bin so erleichtert, wie ich es bisher noch nie bei einem Grenzübertritt war. Direkt hinter der Grenze kaufen wir uns erstmal eine SIM-Karte, holen uns passendes Geld am Geldautomaten, essen an einem Marktstand zu Mittag und atmen ganz, ganz tief durch. Alle Sorgen umsonst gesorgt….

Heute morgen haben wir zum Thema „Sorgen machen“ ein tolles Zitat von Mark Twain gehört: “ Ich bin ein alter Mann und habe viel Schreckliches erlebt, aber zum Glück ist das meiste davon nie eingetroffen.“

Wir nehmen Abschied von Laos und schauen hier nochmal über den Mekong – von Thailand aus!

Die durchweg positiven Erfahrungen mit den Thailändern setzen sich dann in den nächsten Tagen fort. Wir wollen auf einen Campingplatz in der Nähe der Grenze und müssten dafür 400 Baht Eintritt in den Nationalpark bezahlen (12 Euro pro Person). Leider sind fast alle Campingplätze in Thailand in den Nationalparks und somit echt teuer für eine Nacht – für 24 Euro können wir hier auch in sehr guten Hotels schlafen.

Der freundlichen Kassiererin am Nationalparkeingang können wir trotz ihrer geringen Englischkenntisse klar machen, dass wir nur einen Platz für unser Zelt suchen und daher nicht den teuren Eintritt in den Nationalpark zahlen möchten. Nach etwas Hin und Her mit dem Versuch, ob sie uns nicht einfach so durchlassen kann, hat sie plötzlich eine Idee: in 15 min hätte sie Feierabend und sie könne uns in 9 km Entfernung in ihrem Heimatdorf einen Platz an einem Wasserfall zeigen an dem wir zelten dürfen. Wie lieb von ihr!!! Ihr Mann holt sie mitsamt des Enkelkindes mit dem Scouter ab und so folgen wir den dreien in Scoutergeschwindigkeit bis zum Wasserfall und schlagen dort neben dem Headquarter der Ranger unser Zelt auf.

Wieder ein wunderschöner Wasserfall und wir sind allein dort
Besuch beim Abendessen am Zelt

Der nächste Tag bestätigt unseren ersten Eindruck: Die Thailänder sind sehr viel offener (jedoch asiatisch verhalten) und haben weniger Berührungsängste mit uns Langnasen als die Laoten. Wir werden wieder viel häufiger gegrüßt, manche Daumen von vorbeifahrenden Autofahrern (die übrigens alle auf der falschen Seite fahren 😊) gehen hoch, wir werden bei unseren Stopps nach Fotos gefragt und an einer Tankstelle passiert eine sehr rührende Geschichte: Der kleine thailändische Tankwart fragt mit ganz großen Augen, woher wir kämen und ob wir tatsächlich den ganzen weiten Weg von Deutschland hierher gefahren seien. Als wir das bestätigen, ist er überwältigt und fragt: „You like it?“ Robert antwortet: „It is a dream!“ Daraufhin umarmt der total gerührte Tankwart Robert und ist selbst etwas erschrocken über seine Geste. Ich lächle ihn jedoch fröhlich an, worauf er auch zu mir kommt und mich in den Arm nimmt. So ein bewegender Moment! Er konnte seinen Gefühlen verbal keinen Ausdruck verleihen und deshalb hat er uns einfach umarmt! Wir haben ihn verstanden! Danke für deine Zuneigung, lieber Tankwart.

Wir fahren in Etappen und auf kleinen Nebenstraßen in Richtung Bangkok, denn da holen wir nächste Woche Katrin und Armin vom Flughafen ab. (Freu!) Der Verkehr hat in Thailand wieder chinesische Ausmaße. Es gibt sehr viele Autos und Lkw’s und alle haben es extrem eilig. Laotische Ruhe hat hier keinen Platz mehr! Thailand ist weit entwickelt – Business ist wichtig, denn die Entwicklung kostet Geld und leider auch die Gelassenheit der Menschen. So suchen wir für uns sofort die kleinsten Nebenstraßen und die weniger hektischen Orte aus. Wir schauen uns unterwegs zwei sehr sehenswerte Tempelanlagen an, wovon eine komplett aus Flaschen gebaut ist! Das ist doch mal eine Idee für alle Biertrinker, die kein Geld für ein Hausbau haben….

Ein Tempel komplett aus Flaschen
…. auch die Toiletten
nicht schön – aber selten
Dieser Tempel gefällt uns besser
Goldene Buddha Figuren und viele andere schöne Details
Ein riesiger Gong mit allen Flaggen der buddhistischen Länder
In Thailand werden wir wieder oft nach Fotos gefragt

Gestern abend kommen wir spät im Khao Yai Nationalpark an und schlagen auf einem richtigen Campingplatz für drei Nächte unser Zelt auf. (dann lohnt sich auch das Eintrittsgeld) Hier beobachten wir die Thailänder beim Zelten und den tierischen Besuch. Abends sitzen alle in Grüppchen auf ihren Matten vor den kleinen Zelten, die man hier ausleihen kann und grillen und reden. Es herrscht absolutes Alkoholverbot und insgesamt geht alles sehr geregelt und gesittet von statten. Abends kommen große Rehe ins Camp und am Morgen beobachten wir eine Pavianherde, die an jedem Zelt nach Essensresten forscht. Im See an dem wir stehen, haben wir bereits riesige Wasserschildkröten und Warane gesichtet. Ein sehr interessanter Platz! Nachher gehen wir tiefer in den Wald und schauen mal, ob wir von den hier lebenden Tieren noch ein paar mehr sehen: Elefanten oder Krokodile oder noch andere Affen….

Camping auf thailändisch! Gemietete Zelte und Tiere dazwischen.
Die Affen durchsuchen alles was draussen liegt
So sahen in den 70ern die Fototapeten aus! – und hier der Dschungel

ride2seetheworld

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