Die Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan

Zwei Wochen waren wir in Georgien. Es hat uns gefallen, die Landschaft ist schön, das Essen ist echt lecker und Tiflis ist auf jeden Fall sehr sehenswert. Doch Georgien hat es nicht geschafft, uns in dieser Zeit zu begeistern. Vielleicht war der Kontrast zur freundlichen Türkei einfach zu groß? Oder wir waren nicht zur rechten Zeit am richtigen Platz? Schwer zu beurteilen…

Von Tiflis aus fahren wir die „berühmte“ russische Heerstraße. Die Straße ist schön, da sie jedoch eine wichtige Transitstrecke von Georgien nach Russland ist, sind wir dort nicht allein unterwegs 😊 Die Lkw´s und die eiligen Georgier helfen uns nicht gerade die Fahrt zu geniessen. Auf dem Weg kommen wir an der wunderschönen Festungskirche Ananuri vorbei und halten natürlich an. Diese Kirche ist jedoch so voller Touristen, dass wir bereits nach 10 Minuten weiterfahren. Es zieht ein Gewitter auf und so entschließen wir uns, in der Nähe am Stausee einen Wildcampingspot zu suchen. Hier fühlen wir uns wohl. Wir bekommen Besuch von einigen Kühen und Hirten nicken von Ferne. Hier finden wir Ruhe und Gelassenheit.

Ananuri – wunderschön, aber total überfüllt
Unser Campingspot auf der anderen Seeseite – wunderschön und ruhig
Daffy hat eine neue Freundin

Am nächsten Morgen beschließen wir direkt in Richtung Aserbaidschan zu fahren. Eine Nacht bei Tela verläuft nicht ganz so ruhig, wie die Nacht vorher. Habt ihr schonmal gehört welche Laute Schakale von sich geben? Ein beeindruckendes Konzert. Einer beginnt und alle Schakale in Hörweite stimmen ein: es folgt eine laute Mischung aus Bellen, Heulen und Knurren. Es klingt ähnlich wie ein Wolfsrudel, aber heller, jaulender und aus allen Richtungen gleichzeitig. Wir haben keine Angst, da wir auch von Einheimischen an dem Abend nochmal gehört haben, wie scheu die Tiere sind – aber die für uns fremden Tierlaute lassen doch so manches Härchen zu Berge stehen. Die Tiere machen das auch gern mehrfach in der Nacht…. Irgendwann beginnt es zu regnen und hört auch nicht mehr auf. Wir fliehen in ein Guesthaus in Lagodechi, wo uns um 11 Uhr morgens gleich mal ein Wodka zum Frühstück eingeschenkt wird. (wie danach auch zu jeder anderen Mahlzeit) Leider ist auch der enorme Alkoholkonsum in Georgien allgegenwärtig….

Unser Zimmer im Guesthaus ASIS hat einen Kamin! Feuerschumi ist in seinem Element und wir verbringen zwei ruhige Tage mit Lesen am Kamin, Spazierengehen, Essen und Vorbereitung auf Aserbaidschan und Kasachstan. Dazu schauen wir uns auch ein paar Dokumentationen an, die uns so richtig einstimmen auf unsere nächsten Reiseziele. Beim Spazierengehen beobachten wir ein interessantes Detail aus dem Dorfleben von Lagodechi: die Kühe werden abends durch die Dorfstraßen heimgetrieben und wissen selbständig wo sie abbiegen sollen. Jede Kuh findet ihr eigenes Zuhause. Wusstet ihr das?

Jede Kuh biegt selbständig zu ihrem Haus ab
Impressionen aus Lagodechi, Georgien
Frauen im Bademantel sind keine Seltenheit
Gaszähler
Gasleitungen, typisch für Georgien
die Berge im Kaukasus
verschiedene Transportmittel
viele Hunde überall…
nach zwei Regentagen donnert das Wasser aus den Bergen

Die Wahl des kleineren Grenzüberganges nach Aserbaidschan war absolut richtig. Vorher hatten wir von stundenlangem Warten und Grenzprozedere gelesen – aber nicht am Grenzübergang Matsimi. Als wir morgens gegen 10 Uhr dort ankommen, sind etwa 6-8 PKWs vor uns und alle zusammen machen wir das „Schalterspiel“. Zunächst eine flüchtige Kontrolle des Gepäcks, Koffer links auf, Koffer rechts auf, Tankrucksack auf, Tasche mit dem Zelt durch den Scanner. Dann Schalter 1 zum Überprüfen des Visums, dann Schalter 6 zum Stempeln vom Pass, dann Schalter 3 zum Registrieren des Fahrzeugs. Hier werden leider die Papiere von Robert schneller zum Schalter 4 weitergereicht als die Papiere von Barbara…. also 2 Mal zur Kasse zum Bezahlen von jeweils einer Versicherung, dann jeder von uns getrennt zurück zum Schalter 4 mit der Einzahlbescheinigung. Gemeinsames Warten mit allen anderen…., Schalter 4 ist überfordert mit 10 Einreisen gleichzeitig, also doch zum Schalter 3, der so nett ist uns bevorzugt zu bearbeiten. Nach einer Stunde „Schaltertanz“ sind wir durch und winken freundlich. Wir sind in Aserbaidschan!

Sofort fühlen wir uns hier wohler als in Georgien. Die Menschen lächeln und wirken offener, der Verkehr ist sehr viel disziplinierter und überall ist deutlich zu sehen, dass es in Aserbaidschan mehr Wohlstand und Fortschritt gibt was wir an den Straßen, Gebäuden und Firmen erkennen können. Irgenwie sehen selbst die Berge des Kaukasus schöner aus 🙂

Beide Länder haben sich 1991 von der Sowjetunion abgespalten und unterscheiden sich in wirklich vielem. Unterschiedliche Schrift und Sprache, unterschiedliche Währung, unterschiedliche Religionen (in Georgien leben überwiegend orthodoxe Christen und in Aserbaidschan ist die vorherrschende Religion der Islam, allerdings sehr gemäßigt.) Trotz des Ramadans ist für uns die Religion im Alltag nicht spürbar – nur die Moscheen sind wieder da und unsere geliebten Teehäuser!

Zitrone zum Tee – das hatten wir bisher nicht

Aserbaidschans Wirtschaft wächst rasant und das Land ist sowohl Erdöl- als auch Erdgas-exporteur. In der weltweiten Korruptionsskala liegt das Land allerdings auch sehr weit oben. Der Präsident ist seit 2003 an der Macht und ist der Nachfolger seines Vaters😊

In diesem spannenden Land wollen wir uns so manches ansehen. Wir starten in Scheki. Eine Stadt, die lt. Internetrecherche zu einer DER touristischen Städte von Aserbaidschan gehört. Als wir heute morgen den Khanspalast besichtien, stehen etwa 12 Menschen davor und gegen Mittag finden wir tatsächlich 2 Busse dort! So gefällt uns das😊

Khanspalast in Scheki
Leider darf man innen nicht fotografieren

Der Hammer passiert uns gestern Abend. Wir sind in der Stadt, um uns mit einer neuen SIM Karte und neuem Geld einzudecken und schlendern einfach so ziellos durch die Straßen. Als wir zurückkommen zu Daffy & Daky, die wir vor einem großen Restaurant geparkt hatten, kommt Herbie auf uns zu und sagt: „Guude! Ich bin aus Düdelsheim! Wir essen hier im Restaurant mit Freunden, die in Baku leben und haben eure BÜD Nummernschilder gesehen“ Für alle, die Düdelsheim nicht kennen sollten: Das ist ungefähr 5 km von unserem Wohnort daheim entfernt!!! So klein ist die Welt!

Wir verbringen einen fröhlichen Abend zusammen und treffen uns am nächsten Morgen am Khanspalast wieder und wir dürfen uns ihrer einheimischen Führung anschließen. Wieder mal ein so netter Zufall und eine sehr schöne Begegnung. Bei Gabi und Gerald werden wir uns bestimmt melden, wenn wir in Baku sind…

Impressionen aus Scheki, Aserbaidschan
Eine Kirche, die eine Moschee wurde und jetzt ein Museum ist
Die Jugend boxt im Park
Ein Fest zu Ehren des letzten Präsidenten, der heute Geburtstag hätte
Wunderschöne alte Karawanserei
…mit Kamelen

Während ich hier neben unserem Zelt sitze und schreibe, lerne ich noch etwas dazu: Schakale heulen auch wenn ein Flugzeug über die Wälder fliegt… Wir zelten direkt in den Ausläufern des Kaukasus und die Natur ist einfach wunderschön und wild hier.

ride2seetheworld

2 comments

  1. Moin Ihr Beiden! Wir sind gespannt, wie es weiter geht!
    Liebe Grüße aus Hamburg
    Gerlind und Reinhard

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