China mit dem eigenen Motorrad

Von der Mongolei bis Laos – über 5000 Kilometer durch China in 21 Tagen mit unseren eigenen Motorrädern und einer geführten Tour. Leider ist es mit eigenem Motorrad nicht erlaubt, China ohne einen Guide zu durchreisen, daher haben wir uns einer Gruppe mit Guide angeschlossen. Seit gestern sind wir in Laos und ich möchte gern unsere Erfahrungen mit euch teilen. China zu durchfahren war wirklich Besonders. Es war komplet anders, als alles andere auf unserer bisherigen Reise. War es anstrengend? Ja sehr! War es spannend? Ja sehr! War es das Geld wert? Ja sehr! Würden wir es wieder so machen? Auf jeden Fall!

Geführte Tour durch China war nie eine Option für uns

Als wir vor über 11 Monaten in Deutschland losfuhren, war für uns klar: Eine geführte Tour durch China kommt für uns nicht in Frage. Das ist nicht unser Reisestil, wir möchten unsere Freiheit und uns nicht einer Gruppe mit Guide anpassen. Als wir unterwegs in Usbekistan Patric trafen und er von der Tour erzählte, haben wir uns spontan umentschieden.

  • Die Alternative wäre von Wladiwostok zu verschiffen und das ist auch nicht billig
  • Warum nicht auch mal eine geführte Tour probieren?
  • Der Zeitplan passte perfekt zu unserer Idee ab Herbst in Südostasien zu sein.
  • Wir hatten wirklich keine Lust mehr auf Kälte, die uns in Sibirien bereits im September getroffen hätte.

Unser chinesischer Tour Anbieter

Die Kontakte zum Tour Anbieter (Drive-China.com) waren vom ersten bis zum letzten Kontakt absolut professionell, sehr hilfsbereit, immer wahnsinnig schnell antwortend und super freundlich. Sie gaben uns auch gleich Hilfestellungen, was wir bei der Visumsbeantragung beachten sollen und waren auch in diesem Punkt eine große Unterstützung. Wir können diesen Tour Anbieter für eine Chinatour uneingeschränkt empfehlen!

Für die 21-tägige Tour haben wir 1.450 Euro pro Fahrzeug bezahlt. Mit diesem Preis waren die Kosten für den Guide und alle Dokumente (Führerschein, Nummernschild, Genehmigungen), Grenzformalitäten und eine SIM Karte abgedeckt.

Wenige Tage vor Beginn der Reise kam dann plötzlich die Nachricht, dass beide Familien mit Campervan nicht mitfahren werden, da sie kein Chinavisum erhalten haben. Normalerweise fährt der Guide immer in den Autos mit. Doch die Alternative, die uns spontan angeboten wurde, hat uns noch besser gefallen: Unser Guide fährt mit ihrem eigenen Motorrad und führt uns 6 Reisende durch das ganze Land. COOL! Für den Rücktransport des Motorrads von der laotischen Grenze, mussten wir dann nochmal 300 Dollar pro Person mehr bezahlen – was wir gern gemacht haben. Soweit uns bekannt ist, waren wir die erste „reine“ Motorradgruppe auf dieser langen Strecke durch China.

Unsere deutsche Visumsagentur

Nicht so uneingeschränkt empfehlen, können wir unsere Visumsagentur in Deutschland. Die Leute bei Spomer GmbH in Bad Honnef sind nett, aber unorganisiert und aus unserer Sicht auch nicht besonders gut informiert was das Chinavisum betrifft. Glücklicherweise hatten wir von unserer Drive-China Agentur jeweils FAKE Flugtickets erhalten mit der dringenden Empfehlung bei der Visumsbeantragung nicht zu erwähnen, dass wir mit eigenen Motorrädern reisen. Das hätte Spomer GmbH nicht gewusst und andere Reisende die wir unterwegs trafen, haben wohl deshalb auch kein Visum für China erhalten (beantragt durch Spomer).

Dringende Empfehlung für das Visum:

  • Fake Flugtickets einreichen
  • Keinen türkischen Einreisestempel im Pass! Das mögen die Chinesen gar nicht. Wir haben zum Glück zwei Pässe und haben für das Chinavisum den „leeren“ genommen.
  • Visum in Deutschland beantragen! In Ulan Bator ist es auch möglich ein chinesisches Visum zu beantragen. Wir haben jedoch aktuell von einigen gehört, die dort abgelehnt wurden (wie unsere beiden französischen Familien mit ihrem Camper). Wir hatten unsere zweiten Reisepässe anderen Reisenden in Usbekistan mitgegeben und haben das China Visum online in Frankfurt beantragt und die Visumsagentur hat die Pässe hingeschickt. Dafür mussten wir viele Seiten Formulare ausfüllen – aber bereits nach 5 Tagen war das Visum bei der Agentur!

Die Grenze

Der erste Kontakt zu China an der Grenze war für uns der Hammer. Wir sind in Erenhot ins Land eingereist. Bei der mongolischen Ausreise lief alles wie üblich in der Mongolei: unorganisiert, langsam, umständlich und nicht besonders engagiert. In China das ganze Gegenteil! Wir wurden von einem Grenzer begleitet, der super freundlich und gut englisch sprechend, uns gezeigt hat wo wir die Motorräder abstellen dürfen und uns dann zum Einreiseschalter begleitet. Dort wartete bereits Yingchu, unser Guide (wie nennen sich eigentlich die weiblichen Guides?) für die nächsten drei Wochen. Beim Einreiseschalter gibt es einen LED Bildschirm, der sofort nachdem man den Pass der Beamtin gegeben hat, auf Deutsch weitere Anweisungen anzeigt. „Bitte legen Sie den rechten Daumen auf den Bildschirm“ – „Danke“- „Bitte legen Sie den linken Daumen auf den Bildschirm“ -„Danke“ usw.

Bereits in der Nacht vorher trafen wir uns mit allen anderen Tour Teilnehmern in der Mongolei und die Einreise als Gruppe war in 30 Minuten erledigt.

Die Motorräder wurden dann (sehr oberflächlich) vom Zoll kontrolliert. Dabei war auch ein gefundenes Beil kein Problem. Wir mussten die Motorräder für eine Nacht im Zollbereich abstellen. Diese Vorgehensweise hatte unsere China Agentur uns bereits im Vorfeld erklärt und so sind wir halt erstmal mit dem Taxi ins Hotel. Am nächsten Morgen um 11 Uhr bekommen wir die Nachricht, dass unsere Motorräder abgeholt werden können und wir düsen alle gemeinsam zur Verkehrspolizei. Was hatten wir uns vorher Gedanken gemacht wegen der technischen Abnahme, dem chinesischen Führerschein und der chinesischen Nummernschilder! Alles zusammen hat für uns ALLE ganze 25 Minuten gedauert. Um 12 Uhr ist Mittagszeit und so erhielten wir einfach nur jeder unsere bereits durch die Agentur beantragten Führerscheine und unsere chinesische Nummer fürs Motorrad. UND DAS WARs! Hammerschnell, super unkompliziert und einfach nur bequem mit einem Guide, der die gesamte Organisation und Kommunikation erledigt.

Die Ausreise aus China in Boten/Mohan verlief noch schneller 😊 und war nur durch den Abschied zu Yingchu getrübt.  

Hurra – wir haben einen chinesischen Führerschein und ein chinesisches Nummernschild!

Die Route

Die Route muss im Vorfeld durch die Agentur an offizieller Stelle beantragt werden und davon darf (eigentlich) nicht abgewichen werden. Umso erfreuter waren wir, dass es bei uns doch eine Änderung gab. Yingchu hat kurzerhand die Route etwas umgebaut, um uns das Taihang Gebirge mit den spektakulären Tunnelstraßen zu zeigen. Außer diesem Abstecher blieben wir jedoch auf der vorher festgelegten Route. Durch die Agentur waren keine Hotels im Vorfeld gebucht und so konnten wir bei der Entscheidung über die Übernachtungen immer mitreden. Das gab uns auch etwas „Freiheit“ mal früher oder später als geplant zu übernachten. Das macht nicht jede Agentur so – ein weiterer Pluspunkt für Drive-China!

Insgesamt sind wir etwas mehr als 5.000 km in 21 Tagen gefahren. Das ist definitiv zu viel, um das Land richtig zu erleben. Gern hätten wir uns unterwegs noch so manches angesehen…. Die Tour ist eben eher ein Transit als eine Urlaubsreise. Wir würden aus heutiger Sicht auf jeden Fall mehr Tage für diese Route buchen!

Das war unsere Route:

für mehr Details klickt hier

Die Highlights

Wenn ihr dazu mehr wissen möchtet, dann lest einfach unseren Blog indem ihr auf die blauen Worte klickt.

Die Altstadt von Lijang
Schau mal Andrea! Die Glücksmünze hängt in Lijang über einer alten Tür!
Wir stehen in einer Tunnelstrasse und bewundern den Ausblick
Daffy & Daky im Taihang Gebirge
So leckeres Essen!

Die Herausforderungen

  • Der chaotische Verkehr mit vielen Trucks (die total rücksichtslos fahren)
  • Riesige Städte mit unzähligen Ampeln und teilweise recht hohen Temperaturen
  • 5000 km in 21 Tagen
  • Das Überqueren von Matsch und Felsbroken durch Bergrutsche
  • So viele Menschen überall 
Die Ausblicke auf Xi’an und seine Hochhäuser

Besondere Regelungen in China

Tanken – eigentlich dürfen Motorräder nicht an die Zapfsäulen fahren und müssen aus Kannen betankt werden. Yingchu musste deshalb häufiger diskutieren und hat es (bis auf einmal) immer geschafft eine „Sondererlaubnis“ für uns zu bekommen.

Highways – eigentlich dürfen Motorräder nicht auf die Highways. Die Regelung klang für uns zunächst nicht schlecht, da wir eh lieber Landstraßen fahren. In einigen sehr dicht besiedelten Regionen ist das allerdings wirklich kein Spaß. So haben wir es immer wieder versucht uns auf die Highways zu mogeln, wenn die Nationalstraßen nicht attraktiv waren. Meistens hat es geklappt 😊 In der gesamten Provinz Sechuan war es unmöglich auf die Highways zu kommen und so mussten wir dort immer Nationalstraße fahren. Fragt bitte nicht nach dem Sinn dieser Regelung!

Überholen – In China wird auf allen Seiten überholt

Hierarchie im Straßenverkehr – Es ist bestimmt irgendwo festgeschrieben: je größer das Fahrzeug, desto mehr Rechte hat man. Trucks dürfen alles, SUVs fast alles, PKWs mit deutscher Marke ziemlich viel (BMW, Audi), PKWs manches und Zweiräder nix! Das gilt insbesondere bei Vorfahrstregelungen! (egal von welcher Seite der Truck kommt – er hat immer Vorfahrt)

Hotels für Ausländer – in China dürfen nur manche Hotels Ausländer beherbergen und die müssen dann pro Gast ein zweiseitiges Formular ausfüllen für die polizeiliche Meldung. Deshalb mögen manche Mitarbeiter in den Hotels Ausländer nicht so sehr als Gäste…

Fazit

  • Es war KEIN Urlaub!
  • Es war kein selbstbestimmtes Reisen!
  • China ist gigantisch. Alles ist entweder riesig oder hoch oder breit oder voll oder alles gleichzeitig! 
  • Durch die vielen gefahrenen Kilometer ist der Einblick in das Land etwas zu kurz gekommen.
  • Es ist auch mal schön sich nicht kümmern zu müssen: wo schlafe ich heute, wie bestelle ich essen, wo fahre ich lang?? Alles regelt der Guide 😊 Yingchu ist super nett und uns ans Herz gewachsen!
  • Die ganze Gruppe hat sich sehr gut verstanden. Wir haben gern unsere Zeit miteinander verbracht und so manches chinesisches Bierchen getrunken.
  • Diese einzigartige Erfahrung einer Chinaquerung möchten wir nicht missen! Wir würden uns aus heutiger Sicht genauso wieder entscheiden.
  • China is great!
Eine von vielen gigantische Brücken im Hintergrund – wir stehen an einer Baustelle
Ein Bierchen verkürzt die Wartezeit vor dem Restaurant
Wir haben uns oft als „Aliens“ gefühlt 🙂
Bye, bye China!

ride2seetheworld

2 comments

  1. Hallo, und wie lagen jetzt die kosten? Wie ist das mit der verzollung der motorräder geregelt worden? Fragen, die mich interessieren, da ich seit langem plane durch china zu fahren. Viele grüsse aus ulaanbaatar.
    Vait scholz

    1. Hallo Vait, die Kosten lagen bei 1450 Euro pro Motorrad. Im Bericht habe ich das Prozedere an der Grenze geschildert. Es war sehr unkompliziert.

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