Georgien im Frühling

Man fährt über eine Landesgrenze und innerhalb von ganz kurzer Zeit ist alles anders. Das fasziniert uns noch immer. Die Grenze von der Türkei nach Georgien ist wieder so ein Beispiel. Schlagartig wird in Georgien der Verkehr chaotischer, wir werden wild überholt und abgedrängt, auf den Straßen laufen sehr viele Kühe in aller Gemütsruhe durch die Gegend, die Landschaften sind in üppigem Grün und die Natur sieht wild und unberührt aus. Wir sehen nur noch sehr wenige Moscheen, doch einige schöne Kirchen. Die Georgier winken nicht so freundlich wie die Türken und die Teehäuser sucht man leider auch vergeblich unterwegs.

Kühe überall
Kirchen werden neu restauriert – schaut mal auf die schöne Schrift
Tolle Natur

Wir entscheiden uns, nicht direkt am ersten Tag nach Batumi reinzufahren (die Stadt direkt an der Grenze) und suchen uns einen Platz für unser Zelt im Machakhela National Park. Dort finden wir eine kleine Hütte, die einem Kiosk ähnelt, mit einigen Tischen und Bänken auf dem großen Gelände dahinter.  Es stehen einige Männer vor der Tür und wir fragen, ob wir unser Zelt aufstellen dürfen – wir dürfen. Noch ein Unterschied zur Türkei: Alle Männer haben bereits um 17 Uhr sehr viel Alkohol getrunken. Leider sehen wir das auch in den nächsten Tagen oft – Alkohol wird viel und zu jeder Tageszeit getrunken.

Der Platz für unser Zelt ist schön und wir genießen das Rauschen des Flusses und die Geräusche des Frühlings sehr. Seit Kappadokien haben wir nicht mehr im Zelt geschlafen (9 Nächte) und wir haben es wirklich sehr vermisst. Endlich wieder draußen, endlich wieder Sonne, endlich wieder warm. DAS IST FREIHEIT!

Batumi schauen wir uns am nächsten Tag an und sind wirklich sehr erstaunt. So etwas hatten wir nicht erwartet.  Die Stadt ist eine total spannende Mischung aus moderner, interessanter Architektur, Jugendstilgebäuden, die top saniert sind, wunderschönen Parks und Promenaden am Meer, alte „Sowjetarchitektur“, heruntergekommenen Gegenden, relativ vielen internationalen Besuchern und gelassenen Georgiern. Wir parken unsere Motorräder direkt am Meer neben einer Reihe von alten, nicht zugelassenen Autos aus denen Bücher verkauft werden. Wir trinken einen frischen Orangensaft und beobachten dreiste Zigeunerkinder beim Betteln. Auf der Suche nach einer neuen SIM Karte lassen wir uns durch die Straßen treiben und saugen alles Neue auf. Die Schrift ist wunderschön – und die gibt es tatsächlich nur in Georgien. Und dabei ist Georgien nur so groß wie Bayern. Mal wieder können wir nix lesen – das erhöht die Spannung. Doch sowohl SIM Karte, als auch Einkauf klappen problemlos und so fahren wir am frühen Abend wieder zu unserem Zelt und freuen uns schon auf das frisch gezapfte Bier für umgerechnet 50 cent (halber Liter) und kochen endlich mal wieder. Tatsächlich haben wir noch mit getrockneten Zwiebeln gefüllt Teigware aus Griechenland im Gepäck – die muss jetzt mal weg. Die letzten hatten wir mit Yannick und Dino gegessen und schicken beiden natürlich gleich mal ein Foto davon.

Tolle Bauten in Batumi
Aus alten Autos werden am Hafen Bücher verkauft
Batumi hat wunderschöne Parks und Gebäude
modern, historisch und schön
.. aber auch Kontraste
Das Casino mit Riesenrad
Ein Hauseingang wie viele andere
Der Hafen für die Touristen

Als wir am nächsten Morgen aufbrechen, wundern wir uns kurz über google maps. Das zeigt tatsächlich für die 225 km bis nach Vardzia fast 7 Stunden Fahrtzeit an…. Naja…. Google kann ja auch mal Fehler machen. Und es stimmt! Google hat sich verrechnet: wir brauchen länger 😊

Zunächst startet die Tour durch ein tolles Flusstal mit (recht) guter Straße und endlich fahren wir mal wieder Kurven – das haben wir wirklich vermisst in der Türkei. Traumhafte Landschaft in absoluter Frühlingsstimmung beflügelt uns. Und plötzlich endet er Asphalt und es wird etwa 50 km dauern, bis wir ihn wiederfinden. Und diese 50 km haben es wirklich in sich. Wir fahren über einen Pass, auf dem noch etwa 2 Meter hoch Schnee liegt und die Straße dazwischen ist so ausgewaschen und voller Schlaglöcher, dass ich mich nicht entscheiden kann was schlimmer ist: Die tiefen Löcher, die großen Steine, der Schotter, die recht tiefen Wasserquerungen oder der Schlamm. Denn bei etwa 20 Grad schmilzt natürlich der Schnee heftig und überall fließen nicht unbedingt kleine Rinnsale über den sandigen Weg. Wie so oft haben wir von den richtig schlechten Passagen keine Fotos …. Ihr müsst mir einfach glauben. Als wir auf der Passhöhe bei 2025 Metern anhalten, stehen dort tatsächlich drei Fahrradfahrer, die aus Irland und England hierher gefahren sind. Es ist mir unbegreiflich, wie die diesen Weg schaffen konnten. Stolz können wir wirklich alle sein! Aber der wirkliche Knaller ist: Die Straße ist recht häufig befahren und verbindet viele Ortschaften mit Batumi. (Batumi – Akhaltsikhe)

Robert Suchbild
Hier ist es noch nicht so schlimm – da kann man noch Fotostopps machen:-)
Die Passhöhe

So finden wir nach der Passhöhe auf etwa 1500 Metern Höhe auch so etwas ähnliches wie ein Restaurant. Genaugenommen ist es eine kleine Holzhütte, mit einem Grill davor und einigen einfachen Sitzgelegenheiten. Da wir uns unterhalb der Schneegrenze befinden, fragen wir, ob wir unser Zelt hier aufstellen dürfen und bestellen erstmal 2 Bier. Bis nach Vardzia wollen wir es heute wirklich nicht mehr schaffen, da wir bisher nur 105 km gefahren sind und es ist bereits 17 Uhr. Kurz nachdem unser Zelt steht und unser Schaschlik bereits auf dem Grill liegt, erreichen uns auch die Fahrradfahrer und so verbringen wir einen sehr lustigen Abend zu fünft. Wir sind alle happy darüber bis hierher gekommen zu sein und es ist auch keiner gestürzt. Solche Erfolge muss man feiern!

Am nächsten Morgen finden wir zunächst alles überfroren vor – selbst das Kondenzwasser im Zelt. 😊 Und dann geht der Weg unbefestigt weiter, die Kurven werden enger, aber durch den fehlenden Schnee gibt es fast keine schlammigen Passagen mehr. Und was soll ich sagen: die Fahrt auf einer geteerten, kurvigen, leeren Straße danach ist unbeschreiblich. Tatsächlich kommen mir unterwegs die Tränen – so wunderschön ist diese Landschaft und das Gefühl hier zu Motorrad fahren. Wir folgen einem großen Flußlauf und die Bäume und Sträucher sind in sattem Grün und überall blühen Blumen.  Ich denke an meine Mutter und bin mir sicher, dass sie ganz nah bei mir ist.  In Vardzia angekommen treffen wir Iris und Freddy, die ihren 6×6 Mercedes Camper auf dem Parkplatz unterhalb der berühmten Höhlenstadt geparkt haben. Nicht weit davon entfernt, stellen wir unser Zelt auf (mal wieder direkt am Flußufer) und essen gemeinsam zu Abend und sitzen noch lange in ihrem gemütlichen Van. Die beiden haben ihre hübsche Hündin Ginger dabei und seit 2 Tagen einen Strassenhund vor dem Wagen, den sie Bigfoot getauft haben. Nach ihrer Abreise beschließt Bigfoot, dass wir jetzt sein Rudel sind und bleibt immer an unserem Zelt und bei uns.

Unser Platz in Vardzia
Bigfoot – unser Wachhund

Gestern hatten wir Georgier beobachtet, die hier am Fluß etwas sammelten – natürlich musste ich neugierig fragen: hier wächst wilder Spargel! Also gab es heute Mittag bei uns Couscous mit Möhren, selbst geerntetem wildem Spargel und Blattpetersilie. Himmlisch!  

Kochen mit selbst gesammeltem Spargel

Ach ja -und die Höhlenstadt haben wir uns auch angesehen. Aber nachdem wir in Kappadokien so viele Höhlen erklettern und erleben konnten, ist es hier eben einfach zu sehr „touristisch aufbereitet“. Überall gibt es Geländer und Plattformen und Schilder und Verbote. So richtige Begeisterung kam da bei uns nicht auf. Jedoch wird das Kloster in den Felsen auch heute noch als solches genutzt und ist also nicht nur eine Touristenattraktion. Morgen früh fahren wir nach Tiflis – mal sehen wie lange wir für die 220 km brauchen werden, Robert hat mal wieder eine kleine Straße rausgesucht….

Die Höhlenstadt von Vardzia
wir haben Spaß beim Klettern durch die schmalen Gänge
Kerzen für unsere Lieben

ride2seetheworld

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