San Cristóbal de las casas
San Cristóbal de las casas

San Cristóbal de las casas

oder auch einfach San Cristóbal wie sie überall genannt wird, ist eine Stadt mit unglaublich vielen Facetten, eine Stadt im Hochland von Chiapas, dem südlichsten Bundesstaat Mexikos. Sie liegt auf 2100 Metern Höhe, was wir vor allem an den Temperaturen merken. Tagsüber haben wir 20 – 25 Grad, doch sobald die Sonne untergeht, wird es empfindlich kalt und unsere gesamte Winterkleidung muss wieder aus der untersten Ecke der Koffer geholt werden.

Das historische Zentrum wird von zwei recht langen Fußgängerzonen durchkreuzt, in denen sich ein Restaurant an das nächste reiht und eine Horde von Backpackern das gechillte Leben hier genießt. Am Abend gibt es viel Livemusik und wirklich für jeden Geschmack ist entweder eine coole, hippe, abgeranzte, runtergekommene, typische, mexikanische, asiatische, italienische oder sonstige Location zu finden. Für jeden Shoppingfan gibt es wirklich nette kleine Boutiquen und Läden mit lauter unnützen Dingen, die man schon immer mal nicht brauchte…. Aber irgendwie hat es trotzdem die Innenstadt geschafft, das mexikanische nicht ganz zu vergessen. Denn auch andere Besucher drängen in die Stadt. Viele Bewohner der umliegenden Bergdörfer kommen hierher um entweder einzukaufen oder etwas Geld zu verdienen. Die große Anzahl der Straßenhändler in traditioneller Kleidung spricht eine deutliche Sprache.

Straßenhändlerinnen

Und wo verbringen wir die meiste Zeit? Nicht in einer Kneipe, nicht am Feiern, nicht im Zentrum mit all den anderen Touris…. Wir wohnen in einem Hostel ganz nah am Markt – und zwar nicht am Souvenirmarkt, sondern am richtigen Markt. Dort beobachten wir die Familien, die aus den Sammeltaxis steigen und über den Markt gehen, um sich alles einzukaufen was sie in ihren Dörfern nicht bekommen. Hier wird wirklich alles verkauft und zwar in großen Mengen. Die Stände mit den Hühnern sind am Nachmittag leer, die riesigen Berge an Shrimps, Fisch und Krebsen reduzieren sich deutlich und auch alle anderen Stände haben wirklich erstaunlich viele Kunden. Besonders interessant finde ich ja wieder die traditionelle Kleidung.

…auf dem Markt
Altar in der Fischhalle

Die Frauen des Mayastammes Tzotzil tragen schwarze, zottlige Wollröcke, die mich sofort an meinen Flokati Teppich erinnern, den ich als Jugendliche in meinem Zimmer hatte. Und für alle, die nicht in den 70er, 80er Jahren mit Flokati Teppichen groß geworden sind, zeig ich euch gern noch ein paar Bilder von diesen ungewöhnlichen Röcken. Sie werden aus der Wolle einer Schafsrasse hergestellt, die besonders lange Haare hat. Das ist bestimmt schön warm unter dem Rock! Umso erstaunter bin ich immer wieder, dass wirklich keine von den Frauen so etwas wie Socken, Strumpfhosen oder warme Schuhe trägt. Beim bloßen Hinsehen habe ich Eisfüße. 6 Grad in Flipflops…. Auch andere traditionelle Kleidung finden wir hier auf dem Markt. Es ist deutlich zu sehen, dass besonders die Frauen mit ihrer Kleidung ihre Zugehörigkeit zu einem Stamm oder zu einem Dorf zeigen. Irgendwie interessant, wenn an einer Haltestelle zu einem Sammeltaxi fast alle die ähnlichen Röcke anhaben.

Viele Frauen tragen die traditionellen Wollröcke
…die natürlich auch auf dem Markt verkauft werden

Um den Temperaturen gerecht zu werden treffen wir uns mit Robert und Ursula vor einem großen Kamin wieder und trinken Glühwein. Der erste Glühwein in dieser Saison für uns schmeckt unglaublich lecker und wieder tauschen wir einige Geschichten aus und genießen einen netten Abend auf ihrem Campingplatz. Da uns die Idee mit dem Kamin so gut gefallen hat, aber das campen hier uns nicht so richtig begeistert, ziehen wir kurzerhand in ein nettes Hotel um, in dem die Zimmer einen Kamin haben.

Lustigerweise gibt es kein Holz im Hotel und so machen wir uns (natürlich auf dem Markt) auf die Suche nach Kaminholz.  Für umgerechnet 50 Cent kaufen wir einen kleinen Stapel um auf dem Weg zurück zum Hotel nochmal nett einen Schreiner zu fragen, der uns ganz viel „Abfallholz“ schenkt. Was sind wir stolz auf unsere Beute und genießen den Abend mit selbstgemachter Guacamole vor dem Kamin.

Gemütlicher Abend im Hotel

In der Nacht hören wir unglaublich viele „Bombas“. Das sind Knaller, die hier gern auch selbstgemacht sind und unglaublich laut knallen. Ein sicheres Zeichen für eine Fest! Im Nachbarviertel werden die Feierlichkeiten zu Ehren der Schutzheiligen eingeläutet. 12 Tage lang feiert man jetzt die Senora Guadalupe. Wir lassen es uns nicht nehmen und gehen am nächsten Tag an der Kirche der Señora Guadalupe vorbei und stopfen uns erstmal Ohrenstöpsel ins Ohr. Mit unglaublich fröhlicher Stimmung werden Unmengen an Knallern in den Himmel geschossen. Die Menge tobt vor Begeisterung, als einem jungen Mann ein Stier aus Pappmaché auf den Rücken gebunden wird, der voller Knaller ist. Nicht alle schießen dabei nach oben…. Wir beobachten das Spektakel lieber aus einer sicheren Distanz.

Das dazugehörige Knallen hört man in der ganzen Stadt

Von Deutschland aus meldet Jeanette, dass sich eine ehemalige Kollegin von uns auch gerade in San Cristóbal aufhält. Facebook sei Dank! So treffen wir uns mit Anneli am Nachmittag unter dem Kreuz auf dem Kirchplatz und verbringen eine super nette Zeit miteinander. Wie schön jemanden aus der „Vergangenheit“ zu treffen und viele Stunden keine alten Geschichten aus dem Dolce Hotel auszutauschen… Irgendwie ist es erstaunlich, wie wenig präsent die Erinnerungen sind, es fühlt sich eben doch irgendwie an, wie aus einem anderen Leben. Wir reden lieber über das Hier und Jetzt!

Ein wunderbares Wiedersehen

Wie hab ich neulich so schön passend gelesen: „Wer die Gegenwart genießt, hat in Zukunft eine wundervolle Vergangenheit.“

So machen wir das!

ride2seetheworld

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