Zurück an einem Herzensort
Zurück an einem Herzensort

Zurück an einem Herzensort

Wir haben einen Herzensort in Guatemala. Direkt von der Grenze fahren wir dorthin – ganz ohne Umwege. Zum vierten Mal inzwischen. Und doch fühlt sich diese Ankunft anders an als alle zuvor.

Schon im Dorf El Remate merken wir: Die Zeit ist weitergezogen seit unserem letzten Besuch 2022. Mehr Leben, mehr Tourismus, mehr Angebote. Souvenirshops, neue Restaurants, Hotels. Menschen mit Kameras und Rucksäcken. Als wir auf die Uferstraße entlang des Lago Petén Itzá einbiegen, bleibt uns kurz die Luft weg: keine Schlaglöcher, kein Staub, kein holpriges Vorankämpfen. Die Straße zu unserem Lieblingsort, dem Hotel Gringo Perdido, ist komplett asphaltiert. Verwundertes Staunen.

Wir sind gespannt, was uns noch erwartet. Unser alter Campingplatz tut ein bisschen weh. Die Palapa, unter der wir bereits dreimal unsere Villa Verde aufgebaut hatten, gibt es nicht mehr. Der Platz wirkt verwaist, irgendwie müde. Es zeltet wohl fast niemand mehr. Und dann erinnern wir uns an einen Satz, den wir hier schon oft gesagt haben: Irgendwann gönnen wir uns auch mal ein Hotelzimmer.
Heute ist dieses Irgendwann.

Wir fühlen uns tatsächlich wie zwei Kinder, die etwas ganz Besonderes dürfen. Unser Herzensort – diesmal mit Zimmer, richtigem Bett, eigenem Badezimmer und dem Luxus, nichts aufbauen zu müssen. Halbpension gibt es hier immer dazu. Abends ein Drei-Gänge-Menü, morgens ein Frühstück, das keine Wünsche offenlässt. 110 Euro pro Nacht. Teuer für Guatemala. Aber jetzt für diesen Ort, für dieses Gefühl: absolut richtig.

Die Energie hier ist kaum in Worte zu fassen. Brüllaffen über unseren Köpfen, das ruhige Wasser ohne Bootsverkehr, die wunderschöne gepflegte Anlage, die Yogafläche direkt über dem See. Zwei Tage lang verlassen wir das Gelände nicht. Wir lassen uns tragen und wir treffen Entscheidungen für den nächsten Sommer. Ein All-Inclusive-Urlaub, wie wir ihn sehr selten machen – und genau deshalb so besonders. Ein sehr sanfter, sehr luxuriöser Start in Guatemala.

Gringo Perdido in Guatemala
Hier sitzen wir stundenlang auf dem Steg
Wir baden im Pool und im See

Als wir weiterziehen und den Lago Petén Itzá auf der Nordseite umrunden, entdecken wir wieder etwas Neues. Auch hier sind die Straßen asphaltiert, die Dörfer wirken ordentlich, vorbereitet, fast erwartungsvoll. Es fühlt sich an, als würde man hier auf eine Zukunft mit mehr Besuchern hoffen – immerhin hat sich die Touristenzahl von „Vor-pandemie-Zeiten“ fast verdoppelt und ist jetzt bei 3 Millionen pro Jahr. (Als Vergleich: Frankreich hat 100 Millionen)

In Flores erleben wir dann zwei Welten auf engstem Raum. Die kleine Insel mit ihrem touristischen Herz – und die große Stadt auf dem Festland, wo wir wohnen. Hier ist das Leben echter, lauter, näher. Der Markt in unserem Viertel ist riesig, die Menschen freundlich, der Alltag spürbar. Und ganz in der Nähe: die Italika-Werkstatt, denn unsere Motorräder brauchen ihre zweite Inspektion.

Am Freitagnachmittag wirkt der Mitarbeiter wenig begeistert – zwei Inspektionen auf einmal? Aber am Samstag um 7:30 Uhr dürfen wir tatsächlich beide gleichzeitig abgeben. Wir zeigen dem Mechaniker eine leicht ölfeuchte Rücklaufleitung am Ölkühler. Robert hatte bereits das Ersatzteil mit Bestellnummer herausgesucht. Wir haben ja noch Garantie! Aber für das teuerste Modell der Marke sind so gut wie keine Ersatzteile auf Lager. (obwohl das Lager wirklich groß ist) Lieferzeit mehrere Wochen. Aber auch dafür gibt es hier Lösungen. Der Mechaniker fährt zu einem anderen Laden, kauft einen anderen Schlauch und lässt ihn einpressen – fertig. Improvisation ist hier kein Notbehelf, sondern Alltag.

50 Euro pro Maschine, und sie kommen zurück, als wären sie frisch aus dem Laden gerollt. Wir lieben diese kleinen lateinamerikanischen Momente, in denen Dinge überraschend unkompliziert sind.

Während wir warten, schlendern wir durch beide Teile von Flores. Die Insel voller Reisender, das Festland voller Leben. Auf dem Markt sind wir früh – eigentlich zu früh. Alles erwacht langsam. Der Wasserpegel im See steht seit zwei Jahren ungewöhnlich hoch. Für manche ein echtes Problem, Häuser sind überflutet. Andere genießen die neue Ruhe, seit die Uferstraße verschwunden ist.

Flores
Die touristische Insel von Flores
Wunderschöne Farben
Natürlich fahren wir auch Boot
Hier werden Basketballstars geboren 🙂
Viele Boote sind auch gleichzeitig Fähren
Der Markt am Morgen
Alles Plastik
Jetzt schützt die Fernsehabdeckung das Moped

So zeigt uns Guatemala wieder einmal zwei Seiten des Reisens – und vielleicht auch zwei Seiten von uns selbst:
das tiefe Ankommen an einem stillen, fast magischen Platz wie Gringo Perdido
und das neugierige Eintauchen in das bunte, lebendige, manchmal chaotische Leben der Einheimischen in Flores.

Beides gehört für uns zusammen. Und genau darin liegt der Zauber des Reisens.

ride2seetheworld

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