Für uns ist Guatemala dieses Mal vor allem ein Transitland. Bereits 2021 hatten wir es ausgiebig bereist. Auf dem Weg von El Salvador nach Mexiko durchqueren wir es dieses mal nur für ein paar Tage. Und doch wissen wir: Kaum ein Land verbindet die faszinierende Mischung aus Maya-Kultur und katholischen Traditionen so eindrucksvoll wie Guatemala. Und genau jetzt erleben wir hier die Semana Santa – die „heilige Woche“ vor Ostern.
Unser Zuhause für diese Zeit ist ein kleines Guesthouse am Stadtrand von Antigua. Tage lang haben wir die Buchungsplattformen durchforstet, bis wir endlich Glück hatten: ein einfaches Zimmer – immerhin mit Frühstück – für 50 Euro pro Nacht. Alles andere lag schnell bei 100 Euro oder mehr. Semana Santa in Antigua – selbst die Preise bewegen sich in ganz anderen Sphären.
Ein echtes Highlight unserer Unterkunft: die Dachterrasse. Von hier aus haben wir freien Blick auf die umliegenden Vulkane – und nachts sogar auf den Vulkan Fuego, der alle 10 bis 15 Minuten kleine Ausbrüche zeigt. Glühende Lava in der Dunkelheit – eine beeindruckende Naturgewalt, die uns jedes Mal aufs Neue staunen lässt.

Den Vormittag des Gründonnerstags verbringen wir mit Harold, einem großartigen Stadtführer, den wir bereits vor fünf Jahren kennengelernt haben. Mit ihm tauchen wir tief ein in die Geschichte der Stadt, erfahren viel über ihre Bewohner und die bewegte Vergangenheit. Doch er betont auch immer wieder: „Antigua ist nicht Guatemala.“
Und tatsächlich – hier wirkt vieles anders: mehr Wohlstand, ein hoher Anteil an Ausländern, ein besseres Bildungsniveau und kaum indigene Maya innerhalb der Stadt. Es fühlt sich ein wenig an wie eine schicke, saubere, wohlhabende Insel im Land.


Doch an diesem Gründonnerstag zeigt sich Antigua noch einmal von einer ganz besonderen Seite. Die UNESCO-Weltkulturerbestadt, die ohnehin oft etwas Museales hat, befindet sich im Ausnahmezustand.
Die Luft ist erfüllt vom Duft von Weihrauch. Überall tragen Männer und Jungen lila Tuniken – ein Symbol für Reue und Buße. Frauen und Mädchen erscheinen in klassischen schwarz-weißen Kombinationen, oft mit Schleiern bedeckt. Die Atmosphäre ist schwer zu greifen – irgendwo zwischen Festival, Familienausflug und stiller Andacht.






Schon ab 7 Uhr morgens, bis tief in die Nacht hinein, ziehen die verschiedenen Prozessionen durch die Straßen. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet, damit Gläubige, Besucher und Teilnehmer diesen besonderen Tagen ungestört folgen können.
Auch wir lassen uns treiben. Wir beobachten, wie die kunstvollen Alfombras – farbenprächtige Teppiche aus Sägemehl, Blumen und anderen Materialien – entstehen. Wir schauen den Menschen zu, die aus allen Teilen des Landes und der Welt hierherkommen. Und natürlich verfolgen wir die Prozessionen selbst: begleitet von lauter, oft düsterer Musik, getragen von Trommelschlägen, bewegen sie sich langsam durch die engen Gassen.
Die Gesichter der Träger sprechen Bände. Bis zu 3000 Kilogramm schwere Figuren über das Kopfsteinpflaster zu tragen – das ist Schmerz, das ist Anstrengung, das ist Hingabe. Wenn einer am Rand seiner Kräfte ist, übernimmt der nächste.





















Ich merke, dass es mir nicht ganz leichtfällt, diese Form der Religiosität nachzuvollziehen – vor allem dann, wenn Schmerz und Leid so stark im Mittelpunkt stehen. Und doch bleibt am Ende der Gedanke: Jeder erlebt und lebt seinen Glauben auf seine eigene Weise.
Wir wünschen euch fröhliche Ostern aus Guatemala.
ride2seetheworld
