Eine Hündin, drei Kreuze und ein Hauch von Magie
Eine Hündin, drei Kreuze und ein Hauch von Magie

Eine Hündin, drei Kreuze und ein Hauch von Magie

Das erste Mal auf dieser Reise schlafen wir in unserem Zelt, das erste Mal wieder ganz nah an der Natur. Endlich!

Als wir in Malinalco ankommen, „buchen“ wir erst einmal für zwei Nächte. Das Hostel „Tribu“ wirkt auf den ersten Blick schon etwas anders – und wie sich später herausstellt, ist es das auch. Diego, ein freundlicher und zurückhaltender Mexikaner, erklärt uns die verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten. Wir sind ganz erstaunt: Ein Doppelzimmer ohne eigenes Bad für 30 Euro erscheint uns ziemlich hochpreisig. Wie wir später feststellen, ist das in Malinalco allerdings durchaus üblich.

Also entscheiden wir uns dafür, unsere Villa Kunterbunt im Garten aufzustellen, und sind mit den 300 Pesos (14,50 Euro) pro Nacht einverstanden. Immerhin können wir alles im Haus mitbenutzen. Eine Küche mit Esstisch und ein Badezimmer mit Toilette und Dusche sind schließlich schon etwas Feines!

Später lernen wir noch Aaron kennen. Er baut gerade an seiner selbst entworfenen Trockentrenntoilette und erzählt uns von seinem Lebenskonzept und der Gemeinschaft, die hier im „Tribu“ lebt.

Zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern sowie einer weiteren Familie auf dem Gelände betreibt er das Hostel. Sie bauen nach den Prinzipien der Permakultur allerlei Gemüse und Kräuter an, stellen viele Produkte selbst her und verkaufen diese auch.

So können auch wir nicht an den Körnern zur Aufpeppung unseres morgendlichen Müslis vorbeigehen. Wir genießen die eine oder andere Flasche selbst gemachten Kombucha, und auch ein selbst hergestellter Lippenpflegestift findet noch Platz in unserem Gepäck.

Auf dem gesamten Gelände wird darum gebeten, nicht zu rauchen und keinen Alkohol zu konsumieren. Die Gäste halten sich daran. Stattdessen gibt es Yogastunden, Meditation und sonntags immer einen Temazcal, eine traditionelle mexikanische Schwitzhütte.

Wir lernen auch Tanja kennen, die hier lebt. Zusammen mit ihr erleben wir eine etwas andere Kakaozeremonie.

Als ausgebildete Opernsängerin und Schauspielerin „erzählt“ sie uns und den anderen Gästen die Geschichte einer Verstorbenen, die am Día de los Muertos zu ihren lebenden Verwandten zurückkehrt. Denn auch die Toten haben Sehnsucht nach ihren Familien.

Eine wunderbare Geschichte, ein wirklich bewegender Gesang und dazu noch ein klasse Gitarrenspiel – so vergehen die zwei Stunden wie im Flug.

Mexikanische Kultur hautnah erleben! Klasse!

Unsere Villa Kunterbunt im Garten
Das Hostel „Tribu“
Tanja erzählt eine Geschichte und singt wunderschön

Mitten im mexikanischen Alltag

Natürlich besuchen wir auch den Wochenmarkt und lassen uns durch die bunten Marktstände treiben. Dieser Markt ist ganz offensichtlich für die Einheimischen und die Bewohner der umliegenden Dörfer gedacht. Es ist eng in den Gassen, und die Menschen drängen sich zwischen den Ständen.

An einem Essensstand probieren wir Tlacoyos – gefüllte Maistortillas aus sogenanntem blauem Mais. Sie werden auf einer flachen Metallplatte gebacken und schmecken sehr viel besser, als sie aussehen!

Einige Mexikaner sitzen auf den Stufen neben dem Stand, und wir setzen uns einfach dazu. Sofort kommen wir ins Gespräch.

Oskar ist zusammen mit seiner Frau und seiner Mutter auf dem Markt und möchte unbedingt sein Englisch mit uns trainieren. Wirklich erstaunlich: Er hat acht Jahre in den USA gelebt und spricht trotzdem nur sehr wenig und ziemlich schlechtes Englisch. So stellt er beispielsweise seine Mutter als seine Grandma vor …

Wir müssen gemeinsam darüber lachen.

Ich könnte hier stundenlang sitzen bleiben und einfach das Treiben beobachten, den Gesprächen lauschen und die Atmosphäre genießen. Aber irgendwann müssen die drei weiter.

Wir bestellen uns noch eine Runde Tlacoyos und genießen es, mittendrin zu sein!

Wir lernen Oskar, seine Frau und seine Mutter kennen
und genießen den Markt
In Malinalco gibt es viel zu sehen
Geweihtes Kreuz statt Nummernschild
Tolle Gastronomie

Ein Tempel hoch über der Stadt

Na klar, wir schauen uns natürlich auch die archäologische Stätte von Malinalco an. Dort thront hoch oben am Berg ein runder Tempel, der dem Sonnengott gewidmet war. Er wurde um 1500 von den Azteken errichtet – an einem wirklich spektakulären Ort.

Allein die 426 Stufen bis nach oben sind schon eine sportliche Herausforderung!

Der Tempel wurde direkt aus dem Felsen herausgearbeitet. Im Inneren finden sich Darstellungen von Adlern und Jaguaren.

Ich bin immer wieder begeistert davon, wie solche Bauwerke mit einfachsten Hilfsmitteln entstehen konnten. Und davon, dass für sie immer wieder so außergewöhnliche Orte ausgewählt wurden.

Ich würde dort oben auch bauen, wenn ich bauen wollte! 😊

Unseren tollen Zeltplatz verlängern wir natürlich ebenfalls. Aus den ursprünglich geplanten zwei Nächten werden schließlich fünf Tage in Malinalco.

Tempel der Azteken
mit diesem Ausblick

Drei Kreuze auf dem Gipfel – und eine ungewöhnliche Begleiterin

Wir probieren auch immer wieder etwas Neues aus.

Hoch oben auf einem Gipfel entdecken wir drei weiße Holzkreuze und denken uns: Da muss man doch hinaufwandern können!

Auf Google Maps und in OSMand+ finden wir zunächst keinen Weg. Also laden wir uns kurzerhand eine Wander-App herunter – und siehe da: Es gibt tatsächlich einen Weg!

Er wird in der App als mittelschwer beschrieben, sehr steil und er verfügt über Leitern und Geländersicherungen. (glaube nie einer Beschreibung in Mexiko)

Also stiefeln wir los!

Bei jeder Leiter und jeder Geländersicherung müssen wir schmunzeln. Der Deutsche Alpenverein hätte den Weg in diesem Zustand ganz sicher nicht freigegeben. Entweder fehlen Sprossen in den Leitern, das Metall wurde mit scharfen Kanten abgeschnitten, die Befestigungen sind so verrostet, dass sie kaum noch Halt bieten, oder die Geländer fehlen ganz beziehungsweise sind kaputt.

Mexiko eben!

Zum Glück sind wir trittsicher und leiden nicht unter Höhenangst. So meistern wir den anspruchsvollen Weg und kommen nach einer wirklich spannenden Tour schließlich oben an. Die Aussicht auf die Stadt Malinalco ist die Mühe allemal wert!

Doch dann erwartet uns eine weitere Überraschung: Eine wirklich ungewöhnliche Hündin kommt auf uns zu.

Ihre stahlblauen Augen scheinen direkt durch uns hindurchzublicken. Dabei ist sie absolut zutraulich und sieht ausgesprochen gepflegt aus. Ganz offensichtlich keine Streunerhündin.

Aber wie um alles in der Welt ist sie hier hochgekommen?

Die steilen Metalltreppen lassen oft keine andere Möglichkeit, als sie zu benutzen. Die Hündin begleitet uns auch ein ganzes Stück auf dem Rückweg nach unten. Doch ausgerechnet an einer dieser Treppen ist Schluss. Sie schafft es einfach nicht weiter und ist darüber ganz verzweifelt. Wir müssen uns trennen.

Zum Glück begegnen uns drei junge Mexikaner, die uns versichern, dass es noch einen anderen Zugang zum Gipfel gibt. Allerdings sind auch sie ziemlich erstaunt darüber, wie ein Hund überhaupt dort oben gelandet ist – und vor allem, warum!

Wir hoffen sehr, dass sie einen Weg nach unten gefunden hat. Zum Tragen war sie uns jedenfalls einfach zu schwer.

Und wer weiß … Vielleicht war diese ungewöhnliche Hündin ja mehr als nur eine zufällige Begegnung auf unserem Weg. Vielleicht wollte uns jemand einen kleinen Gruß schicken – jemand, der unsichtbar ist, aber trotzdem ganz nah. Nach der bewegenden Geschichte bei der Kakaozeremonie, von der Verstorbenen, die am Día de los Muertos zu ihrer Familien zurückkehrt, bekommt diese Begegnung für uns noch einmal eine ganz besondere Bedeutung.

Vielleicht war sie einfach nur eine Hündin, die neugierig war und den Gipfel genauso liebte wie wir. Oder vielleicht war sie auch eine Botschafterin aus einer anderen Welt.

Wir werden es wohl nie erfahren. Aber manchmal sind es genau diese Begegnungen, die eine Reise unvergesslich machen. Und manchmal darf ein kleines Rätsel einfach ein Rätsel bleiben. ❤️

Unsere Wandertour
Sehr steil…
Drei Holzkreuze aus dem Gipfel
und eine liebe Hündin
die uns beim Abstieg begleitet.

ride2seetheworld

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