Bereits im Jahr 2021 hatten wir mehrfach Kontakt mit Cisco. Er lebt am Lago Atitlán, in San Marcos, und ist in der Biker-Community bestens bekannt. Für Motorradreisende hat er in seinem Haus am See immer ein wunderschönes, großes Zimmer frei. Und nicht nur das: Wenn Ersatzteile, Reifen oder andere Hilfe benötigt werden, ist Cisco zur Stelle. Es ist wirklich großartig, dass es solche Menschen gibt.
Als Guatemalteke kennt er natürlich jede Straße in seinem Land und kann tolle Tipps geben. Sein Netzwerk ist beeindruckend – und so stellen wir schnell fest, welche Motorradreisenden wir gemeinsam kennen. Und wie es der Zufall will, sind auch Herbert und Yuri gerade in der Nähe. Es kommt zu einem fröhlichen deutsch-guatemaltekischen Treffen, bei dem wir über Guatemala, das Reisen mit dem Motorrad und das Leben in unseren jeweiligen Ländern sprechen. Yuri stammt ursprünglich aus Guatemala und lebt seit vier Jahren in Deutschland – aktuell ist sie mit Herbert und Baby auf Familienbesuch hier. Und Cisco hat in Deutschland studiert und kennt sich auch dort gut aus.



Natürlich nutzen wir die Zeit auch, um weitere Osterprozessionen zu erleben – daran kommt man hier schlicht nicht vorbei. Im wahrsten Sinne des Wortes: Die Polizei wollte uns tatsächlich nicht mehr durch das Dorf fahren lassen, weil in fünf Stunden eine Prozession beginnen sollte. Erst mit viel Überredungskunst von Cisco wurde schließlich ein Vorgesetzter geholt, der uns kurzerhand mit seinem eigenen Motorrad durch die Straßen eskortierte. Alles war noch ruhig, keine Vorbereitungen sichtbar – und doch wollte die Polizei mit uns strenger sein als bei allen Einheimischen, die weiterhin mit den Motorrädern an den Sperren vorbeifuhren.
Die Prozessionen unterscheiden sich deutlich von denen in Antigua. Zwar gibt es auch hier die kunstvollen Alfombras, und auch hier werden Figuren durch die Straßen getragen – doch es ist mehr als das. Es wird gemeinsam gebetet, es werden Lieder gesungen, die Menschen tragen ihre schönsten Kleider. Die Atmosphäre wirkt festlicher, gleichzeitig aber auch tiefer und ehrlicher. Weniger Inszenierung, mehr gelebter Glaube. Hier fühlt es sich echt an.





Wir nehmen eines der vielen Taxiboote über den See und kehren in San Pedro La Laguna zurück an einen ganz besonderen Ort. 2021 haben wir hier zweimal für insgesamt fünfeinhalb Wochen bei der Familie von Sandra und Pedro gelebt, während unserer Sprachschulzeit – eine intensive Zeit, die uns tief in das Leben einer Maya-Familie eintauchen ließ. Natürlich besuchen wir sie wieder, schließen sie in die Arme und hören die neuesten Geschichten.
Die beiden älteren Töchter sind inzwischen verheiratet, eine von ihnen ist bereits Mutter. Und die kleine Kim? Die ist mittlerweile elf Jahre alt – und noch immer eine leidenschaftliche Künstlerin. Tatsächlich erinnert sie sich sogar an uns. Spontan beginnt sie, ein Porträt von mir zu zeichnen. Da wir vergessen haben, ein Foto zu machen, wird genau dieses Bild für immer unsere Erinnerung an diesen besonderen Moment bleiben.

Auch im Ort selbst entdecken wir vieles wieder – und gleichzeitig Neues. Obwohl wir hier schon so viel Zeit verbracht haben, erkunden wir San Pedro noch einmal ganz bewusst. Der Sportplatz wurde erneuert, der Park vor der Kirche erstrahlt in neuem Glanz. Und besonders auffällig: das Ufer des Sees hat sich verändert. Vor fünf Jahren stand das Wasser sehr hoch – die nun freigelegten Flächen wurden inzwischen in kleine, liebevoll gepflegte Gärten verwandelt oder einfach als Strand genutzt.










Nach drei Tagen am See heißt es wieder: weiterfahren. Lika und Luna tragen uns zurück in Richtung Mexiko. Die CA-1 führt uns über gut ausgebaute Straßen durch die Berge. Zum ersten Mal seit sechs Monaten wird uns richtig kalt – selbst mit zwei Schichten unter der Motorradjacke frösteln wir. Und dann beginnt es auch noch ein heftiger Bergregen…. Das kennen wir nicht mehr.
Doch pünktlich an der Grenze klart der Himmel etwas auf. Die zusätzlichen Kleidungsschichten können wieder abgelegt werden. Wir sind fast allein unterwegs in Richtung Mexiko. Die Grenzformalitäten sind schnell und unkompliziert. Unsere mexikanische Aufenthaltserlaubnis und die einheimischen Nummernschilder machen es leicht.
Nur auf der Gegenfahrbahn sehen wir sie wieder: endlose Schlangen von gebrauchten Fahrzeugen aus Mexiko. Und was dort alles unterwegs ist, ist kaum zu glauben – _Unfallwagen, die mit abenteuerliche Konstruktionen nach Guatemala geschleppt werden.

Wir reisen ein nach Chiapas, wir sind wieder in Mexiko!
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