Wir wollen unseren letzten Tag in Belize in einem Hostel in San Ignacio verbringen. Am 22. Januar um 12:41 Uhr läuft unsere Motorradversicherung ab, und von hier ist es nicht mehr weit bis zur Grenze nach Guatemala. Während ich an der Rezeption einchecke, schaut Robert auf seinen Reisepass und sagt plötzlich …
Fortsetzung folgt.
Zuvor haben wir noch zwei wunderschöne Tage im Countryside Park in Spanish Lookout verbracht. Bei jedem Besuch sind wir aufs Neue begeistert von diesem gepflegten Ort mitten in einer sehr fortschrittlichen Mennonitengemeinde. Der Park in dem unsere Villa Kunterbunt steht, ist ein beliebter Treffpunkt für viele Einheimische, wir beobachten Hobbysportler beim Joggen oder Rollerhockey, Familien beim gemeinsamen Grillen und Geschäftsleute mit Laptop und Coffe to go – außerdem kommen einige Vogelbeobachter mit riesigen Kameras vorbei.












In der Gemeinde fährt niemand mehr mit der Pferdekutsche einkaufen, wie wir es aus anderen Gemeinden kennen. Die Häuser sind groß, sauber, ordentlich – Wohlstand ist sichtbar. Einige der größten Firmen des Landes haben hier ihren Sitz, darunter die Blockhausbaufirma der Familie Reimers oder die Fleischverarbeitung Reinland. Überall stoßen wir auf Spuren deutscher Herkunft.
Wir fahren viel durch die weitläufige Gemeinde: Häuser, umgeben von Feldern und Weiden, der nächste Nachbar oft außer Sichtweite. Die Gegend gefällt uns unglaublich gut. Gespräche mit zwei deutschen Auswanderern bestätigen unseren Eindruck: Hier lässt es sich sehr gut leben.





Ganz anders sind die Tage zuvor in Dangriga, einer kleinen Stadt, in der vor allem Garifuna und Schwarze leben. Die Menschen hier wirken vor allem eines: cool und lässig. Gleichzeitig sieht man überall die Auswirkungen von Drogen, Alkohol und Geldmangel. Wir entscheiden uns, lieber einen Tag in den Mayflower-Bocawina-Nationalpark zu fahren. Schweißtreibend geht es bergauf, belohnt werden wir mit einem atemberaubenden Aussichtspunkt und einem kühlen Naturpool. Die Natur raubt uns den Atem.(natürlich nicht der steile Aufstieg 😊)












Nicht weit von hier übernachten wir in wohl der bretterbudigsten Unterkunft unserer bisherigen Reisen – auf der Halbinsel Gales Point. Viel Auswahl gibt es hier nicht: Entweder ein teures Resort oder eine einfache, etwas heruntergekommene Hütte bei einer herzlichen schwarzen „Mami“, die uns für wenig Geld auch noch traditionell bekocht. Warum wir uns das antun? Wegen der Lagune. Hier lebt eine riesige Population von Manatis. (Seekühe)
Die Bootstour ist ein Erlebnis. Wir sind allein unterwegs mit einem coolen Captain und unserem Guide. Kein klassisches Touristenziel. Die Jungs kennen die Lagune genau und ankern an einer Stelle mit einer Quelle im Wasser. Manatis, mit Elefanten verwandt, machen Geräusche, die uns sofort an einen langen Rüssel erinnern. Bald sind wir umgeben von schätzungsweise 30 bis 40 dieser faszinierenden Tiere. Schnauzen tauchen kurz auf, klobige Körper zeichnen sich im Wasser ab, begleitet von einem lauten PPPFFFF beim Luftholen. Magisch – und völlig unfotografierbar.
Die Erinnerungen bleiben im Kopf: die Stille, die Weite der Lagune, dieses tiefe Atmen. Fast andächtig. Am Abend schauen wir dann in unserer Bretterbude eine Doku, um mehr über diese seltenen Meeressäugetiere zu erfahren.






Und dann stehen wir also im Hostel in San Ignacio. Robert schaut auf seinen Reisepass und sagt:
„Shit.“ Unsere Motorradversicherung läuft zwar erst morgen aus – aber unser Visum endet heute.
Das ist uns noch nie passiert. Wir haben unser Ausreisedatum (beinahe) verpasst. Unsere Versicherung war für einen Monat gültig – unser Visum aber nur 30 Tage! Unser Hostelzimmer bleibt leer, denn wir müssen sofort raus aus dem Land. Ab zur Grenze.
Ein feiner Nieselregen setzt ein, der Himmel wird grau. So kennen wir Belize gar nicht. Als würde es selbst Abschied nehmen. Und wir auch.
Wir fahren nach Guatemala, doch Belize bleibt – in unseren Gedanken, in unserem Herzen und in diesem Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.
ride2seetheworld
