Alles passt – wir können los!
Alles passt – wir können los!

Alles passt – wir können los!

Am Sonntag brechen wir auf. Wir können kaum glauben, dass unser ganzes Gepäck wieder in die Packtaschen von Luna und Lika passt. Doch als wir uns in unserer Unterkunft auf dem Campingplatz in Tule umsehen, ist das Zimmer tatsächlich leer! Also haben wir offensichtlich alles dabei.

Den Sonntag als Abreisetag haben wir nicht zufällig gewählt. Wir müssen einmal komplett durch die Stadt Oaxaca hindurch, und obwohl auch sonntags noch viele Supermärkte, Apotheken und andere Geschäfte geöffnet sind, ist der Stadtverkehr insgesamt deutlich ruhiger und stressfreier als an einem wuseligen Wochentag.

Kaum haben wir die Stadt hinter uns gelassen, biegen wir nach links auf die 135 ab. Unser heutiges Ziel haben wir uns allein deshalb ausgesucht, weil diese Straße auf der Karte einfach genial aussieht. Und sie hält, was der Kartenausschnitt verspricht: eine einsame, gut asphaltierte (das wird sich noch ändern!) und herrlich kurvenreiche Motorradstrecke. Wir sind uns sicher, dass die Erbauer dieser 86 Kilometer langen Bergstraße genau uns als Zielgruppe im Sinn hatten. 😊 Es fühlt sich herrlich an, nach 5 Monaten Pause in Deutschland jetzt wieder mit unseren mexikanischen Motorrädern durch ihr Land zu reisen.

Wieder unterwegs mit Lika und Luna

Cuitcatlán – ein kleines Dorf ganz groß

So kommen wir beseelt in San Juan Bautista Cuitcatlán an und erwarten eigentlich nichts Besonderes. Doch auch hier sind wir wieder total begeistert. Ein kleiner Ort mit etwa 6.000 Einwohnern, der sicherlich noch nicht allzu viele Touristen gesehen hat. Und wir sind mal wieder mittendrin!

Hier ist es deutlich wärmer als in Tule. Wir genießen den Schatten im Parque Central, beobachten die spielenden Kinder und besteigen die nahen Hügel, um der imposanten Felswand noch ein Stück näher zu kommen. Außerdem sitzen wir mehrmals bei Lupita, probieren die lokalen Spezialitäten und beobachten dabei das Straßenleben.

Hier werden die Tlayudas noch ganz traditionell mit Chapulines und Nopales serviert. Tlayudas sind große, knusprig, auf offenen Kohlegrills gegrillte Maistortillas mit Bohnenmus und verschiedenen Belägen. Chapulines sind Heuschrecken, die nach Limette und Salz schmecken – knusprig und lecker! Nopales, die essbaren Kaktusblätter, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Wir warten auf das Essen und beobachten die Straße
Sie möchte uns ihre handgemachten Körbe für 2 Euro verkaufen – wir spenden ihr das Geld
Unser Essen: Tlayuda mit Chapulines und Nopales – lecker

Und selbstverständlich laufen wir auch die Straßen von Cuitcatlán ab. Allein davon könnte ich euch etwa 50 Fotos zeigen! Fast jedes Haus hat eine Wandmalerei. Dadurch wirkt das ganze Dorf unglaublich bunt und interessant, und ein einfacher Spaziergang wird zur kleinen Kunstreise.

Cuicatlán liegt unterhalb einer steilen Felswand

Eine Traumstraße – und dann ist der Asphalt weg!

Auch für die nächste Etappe wählen wir einfach die Straße aus, die uns auf Maps am besten gefällt. Ehrlich gesagt hätten wir sie fast übersehen, denn man muss die Kartenansicht ziemlich weit aufziehen, um das kleine Sträßchen überhaupt zu entdecken.

Zwischen der 135 und der 135D führt eine Ost-West-Verbindung über einen rund 2.000 Meter hohen Bergrücken. Das klingt nach jeder Menge Fahrspaß – und zunächst sieht auch alles danach aus.

Die Straße ist betoniert, meterhohe Kakteen säumen den Weg, und wir freuen uns über unsere Entdeckung. Doch plötzlich endet der Beton. Von da an geht es unbefestigt weiter: steil, sehr steinig und stellenweise ziemlich matschig. Nicht ganz einfach zu fahren, und wir sind offensichtlich allein auf diesem besseren Wanderweg.

Das denken wir zumindest, bis wir plötzlich auf einen Pickup treffen, der tatsächlich zwei riesige Glasscheiben über diese Holperpiste transportiert!

Als wir ihn überholen, frage ich den Fahrer, wie lange wir uns noch durchkämpfen müssen. In typisch mexikanischer Gelassenheit erklärt er uns, dass wir mit den Motorrädern in etwa 25 Minuten wieder befestigten Untergrund unter den Reifen haben werden.

Seine Zeitangabe war ziemlich optimistisch – auch das ist irgendwie typisch für Mexiko! 😉

Die Strecke war durchaus anstrengend, aber Spaß hat sie trotzdem gemacht. Und so richtig mit unserer abenteuerlichen Routenwahl angeben können wir nun auch nicht mehr. Schließlich wissen wir jetzt, dass sogar ein Glastransporter hier durchkommt!

So startet der Tag!
Die Straße wird irgendwann ein steiler Waldweg…..
…auf dem wir genau ein Auto treffen – einen Glastransport

Maracujasaft statt Schwimmbad

Nach dieser anstrengenden Etappe suchen wir uns zum Ausruhen ein Balneario in Tamazulapam aus. Das müsst ihr euch wie einen kleinen Freizeitpark vorstellen, der Bademöglichkeiten, ein Restaurant, Toiletten und einfache Hütten zur Übernachtung bietet.

Im Sommer ist die Anlage regelmäßig gut besucht, vor allem von Einheimischen. Doch als wir ankommen, sind wir die einzigen Gäste.

Das Betreiberehepaar begrüßt uns herzlich und lädt uns erst einmal zu selbst gemachtem Maracujasaft aus den Früchten des eigenen Gartens ein. Natürlich möchte die Beiden alles über uns wissen: Woher kommen wir? Wohin fahren wir? Wie sind die Motorräder? Und wie gefällt uns Mexiko?

Es wird ein netter Abend in einer wirklich urigen Unterkunft. Nur mit dem Baden wird es nichts – dafür ist mir das Wasser einfach zu kalt!

Als wir uns am nächsten Morgen verabschieden wollen, kommen sie gleich zu dritt angelaufen. Sie möchten unbedingt Fotos von uns und unseren Motorrädern für ihre Facebookseite machen.

Na, wenn das mal kein schöner Abschied ist!

Unsere Hütte ist gemütlich
… hat alles was man braucht
Zum Baden ist mir das Quellwasser zu kalt
Ein sehr herzliches Betreiberpaar

Weiter geht’s Richtung Norden

So beginnt wieder ein neuer Tag in unserem Reiseleben. Es zieht uns weiter Richtung Norden, denn wir haben ein ganz besonderes Ziel für den bevorstehenden Día de los Muertos.

Aber davon erfahrt ihr später mehr!

ride2seetheworld

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