Kunst, Frieden, Suchitoto
Kunst, Frieden, Suchitoto

Kunst, Frieden, Suchitoto

Das ist der Leitspruch des Centro Arte para la Paz in Suchitoto, El Salvador. (capsuchitoto.org)

Im Jahr 1986 kam eine Gruppe amerikanischer Ordensschwestern in diese Stadt – mitten hinein in ein Land, das vom Bürgerkrieg schwer gezeichnet war. Eine von ihnen war Schwester Peggy. Sie half, unterstützte, baute Zerstörtes wieder mit auf – und blieb.

Gestern saßen wir mit ihr am Mittagstisch. Und ich kann kaum beschreiben, was für eine Aura diese Frau hat: Stärke, Klarheit, Herzenswärme. Peggy ist inzwischen 87 Jahre alt – und immer noch Vorstand dieses Projekts, das inzwischen 41 Mitarbeiter beschäftigt, unzählige Freiwillige einbindet und weit mehr ist als „nur“ ein Zentrum für Kunst. Es ist ein Ort mit Hostel, Restaurant, Museum und einem riesigen kostenfreien Angebot an Workshops und Kursen für die Menschen aus Suchitoto und den umliegenden Gemeinden.

Hier wird Kunst nicht als Spielerei verstanden, sondern als Brücke zwischen Menschen – und auch als Weg zum Frieden.

Während wir durch das Gelände laufen, ist überall Leben:
Im Hof übt eine Gruppe auf richtig guten Instrumenten Schlagzeugrhythmen. Nebenan spielen Kinder ein Spiel, um englische Wörter zu lernen. Und in der ehemaligen Kirche findet gerade ein Kurs in asiatischer Selbstverteidigung statt. Alles getragen von einer unglaublich positiven Energie – und dieser spürbaren Liebe zu den Menschen.

Centro Arte para la Paz
Peggy, die Gründerin ist das Herz und die Seele
..immer im Gespräch
Die Kurse sind kostenfrei
Kunst überall – hier von den Kindern aus den Kursen
Kunst im Museum – hier auf Jeans
Am Nachmittag sehe ich das Model in der Stadt 🙂

Ankommen – und bleiben

Wir kommen an einem Samstag an, fragen, ob wir unser Zelt auf dem Gelände aufstellen dürfen – und bleiben.

Wir verlängern einmal. Dann nochmal. Und ehrlich gesagt: Vielleicht ja auch heute wieder?

Denn dieser Ort zieht einen rein. Nicht aufdringlich. Sondern wie eine warme Decke. (auch wenn man die hier nicht braucht)

Wir treffen Adrian aus Ibiza, Ohla aus der Ukraine, Roland aus Kanada und viele Mitarbeiter aus Suchitoto. Und vor allem Peggy, die mit ihrem Hund und einem Strahlen überall präsent ist. Sie ist einfach da – und alles um sie herum wirkt ein bisschen ruhiger, ein bisschen freundlicher, ein bisschen heller.

Wir quatschen mit einem Polizisten, der hier regelmäßig frühstückt, und schauen uns gemeinsam seine Urlaubsbilder vom heimischen Strand an. Er ist stolz auf sein wunderschönes Land und auf unsere Begeisterung. Bis vor wenigen Jahren sind viele Menschen in El Salvador nicht einmal im eigenen Land verreist – aus Angst vor den Banden. Doch in den letzten Jahren hat sich die Sicherheitslage so drastisch verbessert, dass das Aufatmen fast hörbar ist.

Die Gewaltspirale wurde durchbrochen durch das harte (und auch teilweise umstrittene) Eingreifen der Regierung rund um den jungen Präsidenten Bukele.

Und in all diesen schwierigen Zeiten stand und steht das ehemalige Konvent – das Centro Arte para la Paz – wie eine kleine Insel des Friedens mittendrin.

So viele lachende Kinder, so viele herzliche Kontakte und gute Gespräche wie hier erleben wir selten an einem Ort. Ein sehr inspirierender Platz.


Wir tauchen ein

Wir machen mit bei einer Yogastunde auf dem Innenhof, der selbst um 17 Uhr noch sehr warm ist. Wir werden gleich eingeladen zu einer Tai-Chi-Stunde am nächsten Morgen. Wir essen täglich im Restaurant – und jedes Mal wundern wir uns wieder, wie gut hier alles ist: die Preise, die Qualität, die Atmosphäre.

Internationale Touristen mischen sich unter Mitarbeiter des nahen Hospitals, Nachbarn und salvadorianische Besucher. Immer wieder werden wir angesprochen, ergeben sich Gespräche, entstehen Kontakte. Menschliches Miteinander steht hier nicht nur auf der Website.


Suchitoto – Kulturhauptstadt mit Kopfsteinpflaster

Und manchmal gehen wir auch in die Stadt Suchitoto. Alte Kopfsteinpflasterstraßen, koloniale Architektur, Galerien, Kunsthandwerk und ein sehr aktives kulturelles Leben haben der Stadt den Beinamen „Kulturhauptstadt El Salvadors“ beschert.

Wir erleben gleich zwei Knaller:

Zum Valentinstag gibt es vor der Kirche ein kostenloses Konzert vom Sinfonieorchester El Salvador. Und ja – da bleiben meine sentimentalen Kulleräuglein nicht trocken.

Und am nächsten Tag: La Banda El Salvador. Eine Marschmusikgruppe, die 2022 vom Präsidenten initiiert wurde. Sie besteht aus Kindern und Jugendlichen aus dem ganzen Land und dient der Förderung von Musik. Inzwischen hat die Band über 1000 Mitglieder und bereits einige Auszeichnungen erhalten.

Wir spüren, wie sehr die Teilnehmer sich geehrt fühlen, dabei sein zu dürfen: Stolz, Konzentration, ohne Noten, ein genialer Dirigent – und so viel Spaß, dass es wie eine Welle zu uns rüberschwappt.

Was für ein Erlebnis.

Gaslieferant auf holprigem Pflaster
Schönmachen vor dem Konzert
Sinfonieorchester El Salvador
La Banda El Salvador
…mit stolzen Eltern im Publikum

Die Gegend – wunderschön und auch nicht

Natürlich erkunden wir auch die Umgebung.

Ein Wasserfall ohne Wasser – wir sind in der Trockenzeit. Aber in diesem Fall vermissen wir es nicht. Stattdessen klettern wir zwischen unglaublichen sechseckigen Basaltsäulen herum, schauen in Hohlräume, kraxeln nach Herzenslust. Ohne Geländer, ohne Absperrungen, ohne Regeln.

Wieder wird uns klar: Das ist der Unterschied zwischen touristisch erschlossenen Sehenswürdigkeiten und echten Naturorten. Ein Freund schickt uns Bilder von ähnlichen Formationen in Mexiko – mit Schildern, Absperrungen und Regeln. Notwendig, weil die Anzahl der Touristen dort so groß ist.

Hier nicht. Hier sind wir allein.

Wasserfall ohne Wasser – aber wunderschön
Riesige Basaltsäulen
Robert ganz klein

Wie wenig erschlossen dieses Land noch ist, sehen wir aber auch schmerzlich am Ufer des wunderschönen Sees. Von oben aus der Stadt sah er einfach nur traumhaft aus. Doch als wir uns eine sehr steile, schwer zu fahrende Straße hinuntergequält haben, stehen wir plötzlich an einem total vermüllten, ungepflegten Ufer.

Kühe grasen zwischen Plastik. Unter einem Baum sitzen ein paar Einheimische und genießen ihre Chips – die Tüte segelt kurz darauf auf den Boden.

Hier bleiben wir nicht.

Von der Stadt aus ist der See wunderschön
Mein Model….

Aber hier…

In Suchitoto könnten wir sehr gut noch eine Weile bleiben.

Aber es sind nicht die Sehenswürdigkeiten, die uns Suchitoto so tief ins Herz schreiben – sondern die Menschen. Und ein Ort, der zeigt, dass Frieden nicht nur ein Wunsch ist, sondern etwas, das hier ganz real gelebt wird: mit Liebe, mit Begegnungen und mit offenen Türen.

ride2seetheworld

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