Wo die Erde brummt und der Kaffee besonders schmeckt
Wo die Erde brummt und der Kaffee besonders schmeckt

Wo die Erde brummt und der Kaffee besonders schmeckt

Von Metapán aus machen wir einen Sonntagsausflug. Robert und ich starten zu einer Motorradtour – so wie früher im Vogelsberg oder im Odenwald. Nur dass sich das Ganze hier ganz anders anfühlt. Nicht nur weil wir kleinere Motorräder fahren – sondern weil dieses Land noch neu ist. Und weil es hier immer noch diese besondere Spannung gibt: Wie werden wohl die Straßen sein?
Keiner unserer Navigationsapps kann zuverlässig vorhersagen, wie die Strecke wirklich aussieht. Teerstraße? Schotter? Matsch? Oder am Ende doch ein Pfad, der eher nach „Hier fährt sonst keiner freiwillig“ aussieht?

Wir suchen uns ein Ziel in der Nähe der guatemaltekischen Grenze aus – das klingt schon nach Abenteuer. Und tatsächlich: Wir finden gut fahrbare, aber unbefestigte Wege. Und wir staunen über die Natur. So viele, so große Bäume haben wir noch nie gesehen. Wie alt die wohl sein werden? Und was die bereits alles gesehen haben?

Dann fahren wir an einem einsamen Fluss entlang – und plötzlich stehen wir vor einer schmalen, klapprigen Fußgängerbrücke. Und diese Brücke führt… einfach rüber nach Guatemala. Inoffiziell. Kein Grenzposten, kein Schild, kein Zaun. Nur eine wackelige Verbindung über das Wasser. Es ist einer dieser Momente, in denen man merkt, wie absurd Grenzen manchmal sind. Auf der Karte ein anderes Land – in der Realität einfach: wenige Meter Brücke.

…auch so können Grenzen aussehen
Bäume in unglaublichen Dimensionen

Am nächsten Tag verlassen wir Metapán, unsere erste Station in El Salvador und fahren vor allem in eine Richtung: hoch.
Auf etwa 1900 Metern Höhe liegt ein sehr schlichter Campingplatz. Dort treffen wir Regina und Rolf – und schnell wird klar: Wir haben für morgen das gleiche Ziel. Hinauf auf den Vulkan Santa Ana (Ilamatepeq), hoch auf 2381 Meter. Deshalb sind wir hier.

Die Nacht ist kalt – richtig kalt. Sieben Grad. Das ist eine Temperatur, die ich normalerweise nicht freiwillig buche. Neulich hatte ich bei 18 Grad schon meine Steppjacke an… Aber unsere Ausrüstung ist gut und wir schlafen erstaunlich gut.

Auch die Winterkleidung möchte mal rauskommen…
mit diesem Ausblick
Da wollen wir morgen früh hoch…. Vulkan Santa Ana

Nur dieses Brummeln und Grummeln in der Nacht lässt uns immer wieder wach werden. Es klingt nicht wie Wind. Nicht wie Regen. Eher wie… ein tiefes Grollen aus dem Bauch der Erde.

Am nächsten Morgen fragen wir unseren Guide, was das gewesen sein könnte – und er bestätigt unsere Vermutung: Der Vulkan Izalco, auch „Leuchtturm des Pazifik“ genannt, ist aktiv. Wir sehen tagsüber kleine Wölkchen aufsteigen – und in der Nacht konnten wir ihn tatsächlich hören. WOW.

Um 7.30 Uhr stehen wir zu viert als Erste am Tickethäuschen und treffen noch ein nettes Paar aus Belgien. (Die Europäer haben hier eindeutig andere Aufstehzeiten als die Lateinamerikaner.) Zu sechst nehmen wir uns einen privaten Guide – denn ohne Guide dürfen wir nicht aufsteigen. Und wir sind sehr froh über diese Entscheidung.

Wir gehören zu den ersten, die oben ankommen. Der Blick ist… kaum zu beschreiben: Auf der einen Seite dieser quietschegrüne Kratersee, auf der anderen Seite Lagunen, Vulkane und Weite. Fast unwirklich. Und noch ist es still dort oben.

Das ändert sich ab etwa 10 Uhr drastisch. Dann wird es plötzlich voll. Sehr voll.

Aber wir haben unseren Moment schon gehabt. Und wir nehmen ihn mit – als Bild, als Gefühl, als Erinnerung.

Tolle Ausblicke auf unserer Vulkanbesteigung
Hier könnt ihr unseren Campingplatz und den brummelnden Vulkan sehen
…kurz vor dem Kratersee
Ziel erreicht
und keine Winterkleidung mehr nötig 🙂

Nach der zweiten Nacht in der Kälte am brummelnden Vulkan zieht es uns dann aber in eine feste Unterkunft. Mit einer warmen Dusche. Das ist hier tatsächlich nur bei den etwas teureren Zimmern möglich… Für 50 Dollar mieten wir uns gleich eine ganze Wohnung.

Und dann: Duschen, duschen, duschen. Himmlisch.

Seit einigen Wochen haben wir immer wieder Kontakt zu Helena aus der Schweiz. Sie reist mit einem Motorrad, das sie in Guatemala gekauft hat – zusammen mit Pippa aus Südafrika/USA, die sie über Facebook kennengelernt hat. Wir verabreden uns in Juayúa für den Abend – und dann gleich wieder für den nächsten Morgen und für den nächsten Abend.

Wir verstehen uns prächtig. Der Austausch ist toll. Es tut immer wieder gut, Menschen zu treffen, die ähnlich unterwegs sind.

Und dann lernen wir auch noch zwei Frauen aus der Schweiz kennen, die sich in der Nähe Scooter gemietet haben und damit die Gegend erkunden. Plötzlich sind wir fünf Bikerinnen – und Robert mittendrin. Er fühlt sich sehr wohl 😊

Fünf Bikerinnen und Robert 🙂
Ein tolles Treffen vor unserer Unterkunft
Ein nettes kleines Städtchen
Ich liebe diese bunten Busse

Unser Apartment hatten wir nur für eine Nacht, aber der nahe Campingplatz reizt uns sowieso viel mehr. Er liegt auf einer Kaffeefarm – mitten in wunderschöner Natur. Wir machen dort auch eine Führung. Die ist spannend… auch wenn ich ehrlicherweise nur etwa 60 % verstehe.

Die Villa Kunterbunt auf der Kaffeefarm
Inmitten traumhafter Natur

Fernando ist sicher ein fleißiger Mitarbeiter – aber er hat offensichtlich noch nie mit Ausländern gesprochen und kann auch kein Wort Englisch. Meine Bitten, zwischendurch etwas langsamer zu sprechen, befolgt er immer ungefähr zwei Sätze lang. Dann legt er wieder los, als würde er eine spanischsprachige Radiosendung moderieren.

Aber die gesamte Kaffeefarm ist einfach so beeindruckend. Hier wird tatsächlich auch für viele Kleinbauern der Gegend Kaffee verarbeitet – und teilweise sogar direkt vor Ort geröstet. Es ist immer wieder unglaublich zu sehen, wie viel Handarbeit in so einem Lebensmittel steckt, das wir für (verhältnismäßig) kleines Geld oft völlig achtlos kaufen.

Und dann trinken wir genau diesen Kaffee. Und Robert und ich schauen uns an und sagen gleichzeitig: Wow, ist der lecker. Und genau deshalb schmeckt er heute so gut. Weil wir gesehen haben, was dahinter steckt: echte Handarbeit, echte Anstrengung – und Menschen, die jeden Tag dafür arbeiten, dass wir ihn einfach genießen können. Danke!

Die Erklärung von der Kaffeepflanze bis zum fertigen Getränk
Hier wird der Kaffee getrocknet
Wasserbehälter und Waschanlage (für den Kaffee)

ride2seetheworld

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