Motorradtage in der Cordillera del Bálsamo
Motorradtage in der Cordillera del Bálsamo

Motorradtage in der Cordillera del Bálsamo

Der Bergzug südwestlich von San Salvador trägt einen wunderbaren Namen: Cordillera del Bálsamo. Und tatsächlich ist er wie Balsam für unsere Seele. Unglaublich schöne Motorradstrecken führen jeweils rund 60 Kilometer über den bis zu 1.500 Meter hohen Kamm – und enden immer wieder mit diesem weiten, atemberaubenden Blick auf den Pazifik.

Drei parallele Straßen gibt es – und wir fahren in den letzten Tagen alle drei. Zunächst Richtung Süden, hinunter zum Meer. Wir sind verabredet in Mizata, einem kleinen, ziemlich verschlafenen Küstenort. Camping kostet hier fünf Dollar pro Person und Nacht – direkt am Strand. Die Infrastruktur ist weit entfernt von „touristisch“ und wir merken einmal mehr, wie wenig erschlossen dieses Land noch ist.

Gleichzeitig sind wir uns sicher: In zehn Jahren wird es hier vermutlich Hotels, Restaurants, Beachclubs und Surfschulen wie an einer Perlenkette aufgereiht geben. Jetzt ist es noch eine Mischung aus bröckelnder Dorfstruktur und zaghaftem Aufbruch.

Der Fußballplatz des Dorfes in guter Lage
Das touristische Zentrum 🙂

Zwei Nächte reichen uns allerdings am Strand. Die nahe Straße mit den unglaublich lauten Motorbremsen der LKWs lässt mich schlecht schlafen. Auch wenn das Meer angenehm warm ist – es zieht uns zurück in die Berge. Zurück in die Cordillera.

Auf dem Weg nach oben kommen uns unzählige Motorradfahrer entgegen. Die meisten tragen ein rötliches T-Shirt. Schnell wird klar: Hier findet eine Veranstaltung statt. In der nächsten Ortschaft ist kaum ein Durchkommen – Mopeds überall.

Und natürlich entspricht es mehr unserem Reisestil anzuhalten, die Helme abzunehmen und ins Gespräch zu kommen. Wir stehen keine zwei Minuten, da kommt eine blonde, temperamentvolle Frau im Veranstaltungstrikot auf uns zu, schüttelt uns herzlich die Hände und heißt uns willkommen beim „Paseo de Moto“. Janet ist Bürgermeisterin der Region und Organisatorin dieser jährlichen Ausfahrt. Sie fragt uns über unsere Reise aus, will wissen, wie wir uns in El Salvador fühlen – und posiert mit uns für unzählige Pressefotos. Auch viele der Fahrer möchten Bilder mit uns machen. Für einen kurzen Moment fühlen wir uns wie ungeplante Stars der Veranstaltung.

Danke Janet für die nette Begrüßung und die Fotos
Wichtig zu zeigen: Wir sind aus dem Ausland nach El Salvador gekommen

Die Starallüren verfliegen allerdings schnell. Keine fünf Kilometer weiter endet plötzlich der Asphalt.

Wir sind ja einiges an unbefestigten Straßen gewohnt – aber das hier ist eine besondere Kategorie: steil, sehr steil, weicher, pulvriger Sand, dazwischen faustgroße Steine. Hochkonzentriert kämpfen wir uns hinauf. Dankbar für unsere leichten Mopeds. Begeistert von den Ausblicken – die wir allerdings nur genießen können, wenn wir anhalten. Während der Fahrt ist Aufblicken fast unmöglich.

Auf den Fotos sieht es immer irgendwie harmlos aus
Wunderschöne Ausblicke
Hier wird Kaffee und Yucca angebaut

Und dann erreichen wir Sacacoyo. Eine leichte Brise weht von der Ebene herauf, und die unglaublich freundliche Elli begrüßt uns.

Stellt euch das vor: Ein Ehepaar besitzt ein großzügiges Grundstück in den Bergen. Früher ist er selbst mit dem Camper gereist und kennt die Bedürfnisse von Reisenden. Also beschließen sie: Jeder darf hier campen. Toiletten, Duschen, Sitzplätze – alles da. Wer möchte, kann eine Spende dalassen, aber es steckt kein Geschäftsmodell dahinter. Einfach Gastfreundschaft von Reisenden für Reisende. Rancho Tadajas. Toll.

Zelt mit weitem Blick
Wir schlendern durchs Dorf
…auch hier „begegnet“ uns unsere neue Freundin
und auf dem Fußballplatz

Wir bleiben zwei Tage – und fahren die dritte Bergstraße sogar ohne Gepäck. Die spannende Frage bei jedem Kilometer: Wie lange bleibt der tolle Asphalt? Oder verwandelt sich die Straße wieder in eine lose Sand-Stein-Piste?

Diesmal bleibt es ein Kurventraum, der uns bis zu den Wasserfällen von Tamanique führt.

Die Wanderung ist herausfordernd. Mit Guide und einer fröhlichen Gruppe Salvadorianer, die in den USA leben, steigen wir etwa 45 Minuten hinunter ins Tal. Unten kühlen wir uns im Wasser ab, hören, wie gewaltig die Fälle in der Regenzeit anschwellen – und treten danach den Rückweg an.

Auf dem Weg zu den Wasserfällen
„Steile Wege“ können sie hier im ganzen Land echt gut
Im Tal fällt das Wasser von den Felsen

Wir tragen zwar keine Uhr – aber selbst wenn, würde ich euch nicht erzählen, wie lange der Aufstieg gedauert hat. Es war steil. Sehr steil. Und ein kleines bisschen stolz sind wir schon, dass wir die 25- bis 30-Jährigen irgendwann hinter uns gelassen haben. Vielleicht kämpfen sie immer noch mit der Hitze?

Zurück bei den Mopeds werfen wir uns wieder in unsere Schutzkleidung und schwingen durch unzählige Kurven heim zu unserer Finca. Balsam für die Seelen von begeisterten Motorradfahrern.

Eine tolle Region – wir denken schon über unsere Zukunft als Motorradguides in El Salvador nach. Wer würde hier eine Tour mit uns buchen?

Die roten Strecken sind wir in den letzten Tagen gefahren

ride2seetheworld

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