Mein Kunstherz schlägt höher. Wir fahren in die Berge und kommen nach La Palma, einem kleinen Ort auf über 1.000 Metern Höhe. Bekannt wurde es durch Fernando Llort. Er kam in den 1970er Jahren in das Dorf und gilt als Begründer des naiven Volkskunststils von La Palma. Seine Kunst verbindet Spiritualität, indigene Traditionen, einfache Formen und kräftige Farben. Seine Werke zeigen die Harmonie zwischen Mensch und Natur – Bilder einer friedlichen Gesellschaft. Und das in einem Land, dessen Vergangenheit von Bürgerkrieg und Gewalt geprägt ist.
Heute findet man die von ihm inspirierte Kunst überall im Ort: auf den Pfeilern des Basketballfeldes, auf der Kirche, auf dem Kiosk und vor dem Hotel. Überall leuchten uns die Farben entgegen und lassen die Laune gleich noch einmal steigen. Und das in diesem wunderbar entspannten Dorf.

















Wir wollen neue Reifen aufziehen und kaufen im Mopedzubehörladen zwei neue Camel-Hinterreifen. Elegant über die Hüfte gelegt behindern sie uns tatsächlich auch während der Rückfahrt zum Campingplatz kaum. Und das ist gut so, denn wir erleben mal wieder eine typisch salvadorianische Straßenszene.


Wir fahren hinter einem Pickup auf einer sehr steilen, schmalen Straße. Am Straßenrand hat eine Frau ein paar Decken auf den Boden gelegt und verkauft Gemüse und Obst aus eigenem Anbau. Der Fahrer des Pickups hält an, ruft ihr zu, was er gern kaufen möchte. Sie packt alles in eine Tüte, bringt es ihm zum Auto und zählt ihm in aller Ruhe das Wechselgeld in die Hand.
Warum wir diese Szene so ausführlich beobachten können?
Wir stehen hinter dem Pickup – und es ist wirklich kein Zentimeter Platz, um an ihm vorbeizufahren. Aber auch das entgegenkommende Taxi kann wegen dieser spontanen Einkaufssituation nicht weiterfahren. Also wartet man eben. So geht das in Lateinamerika: kein Hupen, keine Hektik, keine schimpfenden Worte. Entspannte Gelassenheit…
Aus dem Dorf hinaus fahren wir jedes Mal durch ein zurzeit trockenes Flussbett. Die Hängebrücke darüber ist ziemlich wackelig, und wir sind froh über die Trockenzeit. Tatsächlich kann das Viertel hinter dem Fluss während der Regenzeit nicht mit dem Auto erreicht werden, weil die Wassermassen dann unpassierbar sind. Dann muss alles mit Mopeds oder zu Fuß über die Hängebrücke transportiert werden. Für uns kaum vorstellbar.
Genau dort liegt auch unser schöner Campingplatz: schattig, kühl und mit einem herrlichen Blick auf die Berge.







Natürlich unternehmen wir auch einige Motorradtouren in die Sierra de Montecristo, wie die Berge hier genannt werden. Der höchste Berg des Landes mit seinen 2.730 Metern verlangt unserem fahrerischen Können einiges ab. Deshalb gibt es von den steilen, felsigen Passagen auch keine Fotos – da brauchten wir beide Hände am Lenker und auch Anhalten war nicht einfach.
Auch unsere Tour entlang der Grenze zu Honduras ist nicht ohne – aber unglaublich spannend. Hier wird sehr viel Gemüse und Blumen angebaut, und wir spüren die Temperaturunterschiede deutlich. Während es unten im Land oft über 30 Grad hat, fühlt sich die Luft hier oben fast kühl an.
Gerade entstehen auch einige neue Unterkünfte, und die Region hofft auf zunehmenden Tourismus. Die Einheimischen jedenfalls lieben es „kalt“. Tatsächlich kommt uns bei 23 Grad eine Familie mit Handschuhen und Mützen entgegen. Für uns fühlt sich das eher nach perfektem Motorradwetter an.





Nach drei Tagen fahren wir wieder hinaus aus dem bunten Dorf, durch das trockene Flussbett und weiter auf dem bereits vertrauten Weg nach San Francisco Lempa – und nehmen das Gefühl mit, einige Zeit in einem Ort verbracht zu haben, der seine Farben nicht nur an die Wände malt, sondern auch ins Leben.
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