Im Süden finden wir Dschungel, Begegnungen und Zaubervögel
Im Süden finden wir Dschungel, Begegnungen und Zaubervögel

Im Süden finden wir Dschungel, Begegnungen und Zaubervögel

Wir fahren in den ursprünglichen Süden Belizes. Die Vegetation wird dichter, die Besiedlung dünner, die Häuser einfacher und natürlicher.
Zur Einordnung: So viele Menschen wie in Bad Nauheim – verteilt auf eine Fläche etwa so groß wie Saarland und Berlin zusammen. Das ist der Distrikt Toledo.

Viele der Einwohner hier sind Q’eqchi’-Maya, ihre Mayasprache ist oft Erstsprache. Traditionelle Kultur ist allgegenwärtig, Tourismus kaum existent. Die Natur gehört hier uns – faszinierend und ursprünglich. Ein Wasserfall. Ein natürlicher Pool. Eine Höhle, aus der ein Fluss fließt. Badehose überflüssig 😊

So leben viele im Süden von Belize
Höhle mit Fluss – herrlich zum Baden
Hier schwimmen wir am nächsten Tag
nur er schaut uns dabei zu

Die Villa Kunterbunt steht bei Marisa und Thomas auf dem Gelände ihrer Sun Creek Lodge. Schon bei unserem letzten Belize-Besuch waren wir hier – und sofort wieder ist sie da: diese Herzlichkeit, diese Ruhe, diese Echtheit. Vor zwölf Jahren haben die beiden mit ihren Kindern Deutschland verlassen und hier neu angefangen. Wir hören zu, fragen nach, lassen uns mitnehmen in ihre Geschichten.

Toledo ist so ursprünglich, dass selbst unsere hochgelobte Navigations-App OSMAND manchmal nicht mehr weiß, was Straße und was Dschungelpfad ist. Außerhalb des „Highways“ ist ohnehin alles unbefestigt.
Als wir San Marcos verlassen, sage ich noch vorsichtig: „Robert, bei Google Maps ist hier nicht mal ein Wanderweg eingezeichnet.“
Aber Lika und Luna haben Lust auf Abenteuer – und so wühlen wir uns durch Matsch, über eine Brücke aus drei losen Brettern, bis auch die letzte Mopedspur verschwindet. Wir fahren trotzdem weiter. Jeder bekommt eben genau so viel Abenteuer, wie er sich wünscht 😊.

Hier fährt sonst nicht so viel lang
Die Regenzeit ist vorbei – das könnte noch schlimmer sein
Robert strahlt – der Reifen ist dick – ich bin kaputt
Es gibt auch bessere Wege in Toledo
Dorfstraße

Nach vier wunderbaren Tagen auf der Sun Creek Lodge geht es wieder Richtung Norden – weiter südlich geht es nicht. Auf Marisas Tipp hin fragen wir in Red Bank bei Celso nach, ob er mit uns in die Hügel wandert, um die Scarlet Macaws, die Scharlacharas, zu zeigen. Zu dieser Jahreszeit leben hier etwa 300–350 dieser „Zaubervögel“.

Wir dürfen die Villa Kunterbunt vor Celsos Haus aufstellen. Um fünf Uhr morgens, noch in völliger Dunkelheit, bringt uns Iris Kaffee und Kekse ans Zelt. Dann geht es los. Steil bergauf. Es wird langsam hell.
Und dann hören wir es: „Kraaah. Kraaah.“
Dieses laute, eindeutige Geräusch. Wir verrenken uns die Hälse und entdecken die bunten Farbklekse zwischen den hohen Bäumen. Wir wandern weiter bis zu einer kleinen Lichtung und haben plötzlich freie Sicht. Auf der gegenüberliegenden Hangseite sitzen 20 bis 30 dieser leuchtend rot-blau-gelben Vögel in den Bäumen. Mit dem Fernglas sind sie ganz nah. Mit meiner kleinen Canon leider nicht.
Egal. Der Moment ist perfekt.

So perfekt, dass wir sofort beschließen: Morgen kommen wir wieder.

Die Bäume sind voller Scarlet Macaw
Aussichtspunkt bei unserer Wanderung
Die Villa Kunterbunt vor dem Haus von Celso und Iris
…mit dem Blick auf das Fußballfeld
Dorfleben
Die traditionelle Methode einer Babyschaukel

Tagsüber tauchen wir ein ins Dorfleben. Essen im einzigen Restaurant, Spaziergänge, Gespräche. Abends spielen die Kinder vor unserem Zelt Fußball – viele barfuß, das Spielfeld eher eine Kraterlandschaft. Und trotzdem: pure Freude.

Natürlich zeigen wir auch Lika und Luna die Gegend. Auf der anderen Flussseite liegt eine Mennonitensiedlung – da wollen wir hin. Keine drei Kilometer später höre ich über die Helmkommunikation: „Shit – ich hab einen Platten.“
Ein selbstgeschmiedeter Hufnagel hat sich komplett durch Likas Reifen gearbeitet.

Der Vorteil von zwei Mopeds: Ich bleibe bei der verletzten Lika, Robert fährt zurück ins Dorf. Er hält einfach einen Mopedfahrer an, der ihn zum einzigen Schrauber bringt. Ein Schlauch – zufällig in der richtigen Größe – ist tatsächlich verfügbar.

Kaum zurück beginnt Robert mit dem Ausbau des Hinterrads. Jeder, der vorbeikommt, fragt, ob er helfen kann. Ich schwatze mit allen. Ein Mennonit hält mit seiner Kutsche an, schaut sich den Nagel an, lacht und sagt nur: „Meiner ist das nicht.“

Ein junger Mann bleibt, hilft mit, freut sich ehrlich über unsere Begeisterung für sein Land. Diese Begegnungen bleiben.

Roberts Montageständer
Die Männer tauschen den Schlauch und ich….
…treffe Matteo und sein Pferd Gringo
..und Mennoniten in ihrer Kutsche
die Fahrt geht weiter

Leider ist die private Situation bei Celso schwierig, und wir erleben einmal mehr die Schattenseiten von zu viel Alkohol. Schweren Herzens beschließen wir daher weiterzufahren.
Da hält plötzlich Andrew mit seinem Auto vor unserem Zelt. Er fragt, ob wir nicht in sein Gästehaus ziehen möchten – kostenfrei. Er habe uns die letzten Tage beobachtet, wie wir neben Hühnern im Zelt schlafen, und wollte uns einfach etwas Gutes tun.

Nach fast einem Monat im Zelt, ohne eigenes Bad, fühlt sich dieses Angebot an wie ein Geschenk.
Und als Melissa uns am nächsten Morgen Rührei mit Speck und Bohnen bringt, können wir unser Glück kaum fassen.

Unser Geschenk für zwei Nächte

Die Schönheit der Natur, der Dschungel und die Tiere machen uns sprachlos.
Die Begegnungen mit den Menschen wärmen unser Herz.

ride2seetheworld

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